AKW Tihange gefährdet Mensch und Umwelt

Die Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben unsere Welt nachhaltig verändert. Mensch und Umwelt bleiben so noch lange schwer verwundet. Sichtbare und unsichtbare Narben entstellen die Opfer ein Leben lang. Dabei schleicht die Angst vor weiteren Atomunfällen wie ein böser Schatten über die Erde.

Block Tihange 2 bis 2023 am Netz

Kein Wunder also, wenn die Bürger im Einzugsgebiet des störanfälligen belgischen Atomkraftwerks Tihange 2 für die Stilllegung der Anlage protestieren. Wer möchte schon an der Strahlenkrankheit sterben oder innerhalb weniger Stunden aus der Gefahrenzone flüchten – wenn das dann überhaupt noch möglich ist.

Das AKW Tihange besteht aus drei Reaktorblöcken, die als Druckwasserreaktoren (DWR) arbeiten. Die Electrabel S.A. betreibt das Kraftwerk. Das Unternehmen ist der größte belgische Energieerzeuger. 1983 ging Block Tihange ans Netz. Seine Laufzeit endet 2023. Wie Greenpeace bereits im Februar 2015 berichtete, zeigt dieser Kraftwerksblock bis zu 3149 Risse im Stahldruckbehälter. Offenbar habe Materialermüdung im Metall dazu geführt. Da im Druckbehälter die Nuklearspaltung erfolgt, muss er absolut dicht bleiben. Möglicherweise betrifft dieses Problem auch deutsche KKWs. Greenpeace fordert daher eine Überprüfung aller Atomkraftwerke weltweit.

AKW Tihange gefährdet Lüttich, Maastricht und Aachen

Das AKW Tihange liegt nur 25 Kilometer von der belgischen Großstadt Lüttich und 70 Kilometer von Aachen entfernt. In Lüttich leben 196.000 und in Aachen 240.000 Menschen, deren Gesundheit bei einem Kraftwerksunfall in Tihange auf dem Spiel steht. Im Notfall müssten also Hunderttausende gefährdete BürgerInnen von Rettungskräften aus der Gefahrenzone gebracht werden. Ein Unterfangen, das Bilder der Atomkatastrophe vom 26. April 1986 in Tschernobyl oder vom 11. März 2011 im japanischen Fukushima wachruft. Auch der südlichste Zipfel der niederländischen Grenze bei Maastricht befindet sich nur 60 Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Damit wäre das Gefahrenpotenzial für die Niederlande und Deutschland bei einem Nuklearunfall größeren Ausmaßes wohl erheblich.

Bilaterale Katastrophenhilfeabkommen

Natürlich entscheidet jeder Staat selbst darüber, welche Kraftwerke auf seinem Staatsgebiet am Netz bleiben. Daher können seine Nachbarländer nur diplomatische Gespräche anregen – oder zu Protestaktionen greifen, wenn sie sich von einem störanfälligen Reaktor bedroht fühlen. Im Rahmen bilateraler Katastrophenhilfeabkommen sagen sich jedoch manche Staaten gegenseitige Unterstützung zu. Ein solches Abkommen wurde bereits am 6. November 1980 zwischen Belgien und Deutschland geschlossen*. Am 7. Juni 1988 folgte eine vergleichbare gesetzliche Regelung zwischen dem Königreich der Niederlanden und Deutschland*.  In beiden Abkommen sichern sich die jeweiligen Vertragspartner „gegenseitige Hilfeleistung bei Katastrophen oder schweren Unglücksfällen“ zu. Die Vereinbarungen finden sich im Bundesgesetzblatt Teil II, 1982, Nr. 41 vom 4. Dezember 1982, S. 1006 – 1014 (Belgien, Deutschland) sowie im Bundesgesetzblatt Teil II, 1992, Nr. 9 vom 28. März 1992, S. 198 – 205 (Niederlande, Deutschland).

Notfallpläne für Nuklearunfälle in Deutschland

Bei Kernkraftwerksunfällen in Deutschland muss sich das zuständige Bundesland um den Schutz der Bevölkerung kümmern. Dabei erfüllt auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wichtige Aufgaben. Dort laufen alle Fäden zusammen, um die BürgerInnen bei Bedrohungen nachhaltig zu schützen, Hilfsaktionen zu koordinieren oder Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Bund, Länder, Gemeinden und die Privatwirtschaft arbeiten dann Hand in Hand. Doch um die Rettungsmaßnahmen im Ernstfall rasch einzuleiten, Hilfskräfte in den Krisenherd oder die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen, bedarf es regelmäßiger Übungen bis auf Landkreisebene. Lernen die BürgerInnen ausserdem, wie sie sich dann selbst helfen und richtig verhalten, verwandeln sich Ängste sogar in Zivilcourage.

* Hinweis der Redaktion: Nach aktuellem Kenntnisstand gelten die genannten Abkommen noch heute. Abkommen Belgien – Deutschland       Abkommen Niederlande – Deutschland

© Paul Bock

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