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Arten sterben im Schatten des Klimawandels

Stress für Pflanzen und Tiere: anpassen, abwandern oder sterben?
Das weltweite Klima-Chaos verändert Lebensräume. Daran sterben viele Pflanzen- und Tierarten. Die für den Menschen 
lebensnotwendige Artenvielfalt sinkt daher erheblich.

Pflanzen und Tiere ernähren den Menschen Tag für Tag. Sie geben ihm Luft zum Atmen, Lebenskraft und eine gesunde Zukunft. Ohne sie wäre er zum Sterben verurteilt. Flora und Fauna dagegen wachsen, gedeihen und entwickeln sich seit Urzeiten unabhängig vom Menschen. Dazu siedeln sie sich in geeigneten Lebensräumen an, die ihre Fortpflanzung und damit den Fortbestand ihrer Art sichern.

Schwalbenschwanz

Schwalbenschwanz © Paul Bock

 

Auf der Erde leben ungefähr 15 Millionen Arten. Bis heute sind davon nur 1,8 Millionen bekannt. Egal, ob sie kleine Biotope oder ganze Landstriche bevölkern, ob sie dem Tierreich angehören oder zu einer Pflanzenpopulation zählen: ihre natürliche Vielfalt stärkt und schützt unser Ökosystem Erde zuverlässig. Durch den Klimawandel allerdings verlieren zahllose Gattungen ihr Leben. Nach Schätzungen werden auf diese Weise 60 Prozent aller Pflanzen- und Tierarten in Europa bis 2080 ausgelöscht.

Kohlendioxidausstoß durch Privathaushalte © Daniel Bleyenberg / www.pixelio.de

Kohlendioxidausstoß durch Privathaushalte © Daniel Bleyenberg / http://www.pixelio.de

 

Um den Artenreichtum der Flora und Fauna auch zukünftig als notwendige Lebensgrundlage zu erhalten, lässt also die Klimaerwärmung dem Menschen nur sehr wenig Zeit. Immerhin pumpt der Mensch tagtäglich Kohlendioxid aus Heizungen, Kraftfahrzeugen und Produktionsbetrieben in die Atmosphäre. Das Klimagas wird im geschlossenen System Erde nur durch Meere, Bodenspeicher oder atmosphärische Räume aufgenommen. Im Schatten dieser fatalen Entwicklung sterben unzählige Arten. Erst wenn weltweit jeder Einzelne von uns an den Klimaschrauben kräftig dreht, erhalten wir die lebendige Vielfalt unseres Planeten. Denn träge internationale Verflechtungen verhindern allzu oft rasche politische Entscheidungen.

Kraftwerk mit Rauchschwaden © Heike / www.pixelio.de

Kraftwerk mit Rauchschwaden © Heike / http://www.pixelio.de

 

Flora und Fauna fliehen vor der Klimaerwärmung bis zu 500 Meter im Jahr

Die Klimaerwärmung bedeutet für zahlreiche Tiere und Pflanzen eine Katastrophe. Denn inzwischen verschieben sich ganze Ökosysteme dauerhaft um ungefähr 500 Meter im Jahr. Dabei nehmen Nord- und Südpol die Hauptzielrichtungen ein. Den wandernden Lebensräumen folgen Pflanzen und Tiere. Zu diesem Resultat kam eine Studie amerikanischer Wissenschaftler der California Academy of Sciences und anderer Institute bereits 2009. Wie die Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen berichtet, ziehen Bienenfresser, Wiedehopf und Zwergohreule bereits in Richtung Norden. Ebenso wandern bedrohte Arten in höher über dem Meeresspiegel gelegene Regionen ab, weil sie im kühleren Bergklima noch artgerechte Lebensräume vorfinden.

Autoabgase © Gabi Eder / www.pixelio.de

Autoabgase © Gabi Eder / http://www.pixelio.de

 

Ökosysteme höheren Artenreichtums passen sich leichter dem Klimawandel an

Welche Narben der Klimawandel bei einzelnen Ökosystemen hinterlässt, bleibt allerdings nach wie vor nur sehr lückenhaft erforscht. Denn jeder biologische Lebensraum antwortet auf diese globalen Veränderungen ganz unterschiedlich, je nachdem welche Wechselwirkungen Pflanzen- und Tiervölker dort verbinden. Untersuchungen in Systemen höheren Artenreichtums zeigen, dass sich diese leichter an jede Umweltbelastung oder klimatischen Temperaturstress anpassen.

In Deutschland sind 35 Prozent aller Tier- und 26 Prozent aller Pflanzenarten gefährdet

Bereits bedrohte Arten geraten durch die Klimaerwärmung natürlich ganz besonders in Gefahr. Die sogenannten Roten Listen führen gefährdete Pflanzen und Tiere auf. Dabei wird eine Unterteilung in Gefährdungskategorien vorgenommen. So belegt zum Beispiel die aktuellste Liste der Wirbeltiere in Deutschland aus 2009, dass bereits 207 von 478 Arten so eingestuft werden. Zu Wirbeltieren zählen dabei neben Säugetieren und Kriechtieren auch Brutvögel, Süßwasserfische und Lurche. 132 der 478 Arten sind in ihrem Bestand gefährdet. 32 Arten sind bereits ausgestorben. 44 Arten stehen unter Beobachtung, um drohende Verluste zu verhindern. Der Verlust einzelner Populationen führt dazu, dass intakte ökologische Kreisläufe zerreißen. In der Folge vermehren sich zum Beispiel Schädlinge zu stark oder bestäubende Insektenvölker finden zu wenig Nahrung. Zahlen und Fakten zur Roten Liste aus 2015 hat der WWF veröffentlicht.

Große Artenvielfalt schützt intakte Lebensräume vor Umwelteinflüssen 

Obwohl im Vergleich dazu in Brasilien über 56.000 höhere Pflanzenarten gedeihen, sind diese laut einer Studie von Ary Hoffmann vom Centre for Environmental Stress and Adaption Research an der University of Melbourne kaum in der Lage, sich klimabedingten Veränderungen wirksam und zügig anzupassen. Doch unabhängig davon, wie breit das jeweilige Artenspektrum in den unterschiedlichsten Lebensräumen sein mag: bei abnehmender Biodiversität (Artenvielfalt) sinken dort auch regelmäßig natürliche Widerstandskräfte. Raubbau, Rodungen und Straßenbau geben solchen klimatisch geschwächten Gebieten dann rasch den Todesstoß.

Waldrodung © Johannes Barth / www.pixelio.de

Waldrodung © Johannes Barth / http://www.pixelio.de

 

Natürlich versuchen Flora und Fauna, die Folgen klimatischer Belastung zu meistern. Während fest verwurzelte Organismen nach neuen Überlebensstrategien suchen oder andernfalls verkümmern, wandern mobilere in artgerechtere Regionen ab. Wie Professor Dr. Thomas S. Hoffmeister vom Institut für Ökologie der Universität Bremen betont, hadern spezialisierte Lebewesen dabei mehr mit dem Klimawandel als niedrig entwickelte.

Felsenschwalben und Zippammern werden zu Klimaflüchtlingen

Wie wärmeres Klima auf die Entwicklung von Vogelbeständen einwirkt, untersuchten Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz zum Beispiel am Bodensee. Dort stieg die durchschnittliche Lufttemperatur in den Wintermonaten, aber auch während der Brutzeit um mehr als zwei Grad Celsius. Dadurch fehlt dort oft das satte Nahrungsangebot für die Aufzucht der Jungen. Die Populationen der dort lebenden Uferschnepfen gingen in der Folge um 84, die der Gelbspötter um 74 Prozent zurück.

Gleichzeitig beobachtete das Projektteam aber auch den Zuzug von Felsenschwalben und Zippammern, zwei Klimaflüchtlingen aus dem Mittelmeerraum, die jetzt lieber am kühleren Bodensee nisten. Wie der Naturschutzbund Deutschland e.V. berichtet, ist das Verhalten von Vögeln im Klimadurcheinander noch am besten erforscht. Dabei zeigen Rote Listen Verhaltenstrends sehr deutlich an.

Koralle © Wolfgang Resmer / www.pixelio.de

Koralle © Wolfgang Resmer / http://www.pixelio.de

Während in diesem Augenblick das Treibhausgas Kohlendioxid aus Öl- und Gasheizungen oder Kraftfahrzeugen entweicht
und das Klimakarussell antreibt, schwindet der Lebensraum der Eisbären und Korallenriffe erbleichen im Todeskampf.
Der größte Verlierer aber bleibt der Mensch.

© Paul Bock

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Über oekobeobachter

Als überzeugter Umweltschützer und Hobby-Journalist greife ich vielfältige Themen für Sie heraus. Dabei versuche ich, möglichst aktuell zu berichten und ein breites Spektrum abzudecken. Der Oekobeobachter möchte Sie über Natur, Umwelt und Ökologie informieren. Er möchte Sie auffordern, alle Sinne zu schärfen, um unseren herrlichen Planeten Erde in seiner Einzigartigkeit zu erhalten. Lassen Sie uns also gemeinsam anpacken. Wir tun es für uns.

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