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Warum sterben soviele Vögel?

Wer aufmerksam durch Feld und Flur streift bemerkt, dass weniger Vögel vorkommen als noch vor einigen Jahren. Hat ihre Zahl wirklich abgenommen? Wohin sind sie verschwunden? Treibt der Klimawandel sie vielleicht nur in andere Regionen, in denen sie bessere Lebensbedingungen finden? Wo liegen die genauen Ursachen für den Schwund der Vogelwelt?

Schwalbennest © Dieter Schütz_pixelio.de

Schwalbennest © Dieter Schütz_pixelio.de

Vogelzählung des Naturschutzbunds Deutschland e.V.

Immerhin zählte der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) im Winter 2016/2017 bundesweit ungefähr 17 Prozent weniger Vögel. Besonders Blau- und Kohlmeisen sowie Buchfinken zeigten sich seltener. Auch Zeisige, Bergfinken und Seidenschwänze blieben den Futterkästen fern. Sie  sahen wohl keinen Grund, wie gewohnt im Winter aus dem Norden zu uns zu kommen. Dafür war es zu warm.

Von einem „akuten Vogelsterben“ spricht der NABU zwar nicht, er bezeichnet aber die langfristige Entwicklung als „bedrohlich“. Denn mehr als die Hälfte aller 248 Vogelarten, die in Deutschland brüten, sind gefährdet. Die Gefahr ist also sehr groß, dass sie  früher oder später aussterben. Das zeigt die aktuelle Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (August 2016) ganz deutlich.

Überall sterben Vögel

Jede Vogelart bevorzugt eigene Lebensräume, also zum Beispiel landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wiesen, Feuchtgebiete und Wälder. Eine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an die Bundesregierung vom 2. Mai 2017 zeigt ganz deutlich, in welchen Lebensräumen bestimmte Vogelarten ausgedünnt worden sind. Dabei wurde der Zeitraum der letzten 12 bis 25 Jahre untersucht. Die meisten Vogelbestände haben auf Agrarlandschaften abgenommen:

Feldlerche © Ralf Zierold_pixelio.de

Feldlerche © Ralf Zierold_pixelio.de

Zwischen 1990 und 2013 Feldlerchen um 35 Prozent, in den letzten zwölf Jahren Uferschnepfen um 61 Prozent, Braunkehlchen um 63 Prozent und Kiebitze sogar um 80 Prozent. Auch die Zahl der dort lebenden Goldammern schwindet. Stieglitze, Stare und Gelbspötter, die sich in parkähnlichem Gelände mit niedrigem Baumbestand wohlfühlen, also halboffenen Weidelandschaften, sind ebenfalls seltener geworden. Die Rebhuhnbestände schrumpften von 1990 bis 2015 um 84 Prozent.

Goldammer © Ulrich Velten_pixelio.de

Goldammer © Ulrich Velten_pixelio.de

Fasan © Thorben Wengert_pixelio.de

Fasan © Thorben Wengert_pixelio.de

Warum gehen zahlreiche Vogelbestände zurück?

Überall wo Menschen agieren, beeinflussen sie Natur und Umwelt. Daher liegt die Vermutung nahe, dass sie auch das Phänomen des Vogelsterbens mehr oder minder anstoßen. Die genaue Recherche bestätigt diese Annahme, denn Fachkreise benennen tatsächlich vielfältige Ursachen für das Vogelsterben, an deren Wurzeln der Mensch steht.  Viele Ursachen lassen sich erst nach Jahren intensiver Beobachtung und Kartierung genauer feststellen. Dabei wird untersucht, warum  Sterblichkeitsraten ansteigen, sich nur mäßige Bruterfolge einstellen oder einzelne Arten sich andere Lebensräume suchen. Markierungen, die an einzelnen Tieren angebracht werden, erleichtern dabei die Arbeit der Forscher.

Ohne heute existierendes menschliches Leben wäre also wohl keine Rede vom Vogelsterben. Natürlich ebenso nicht von anderen Schieflagen und Ungleichgewichten, die andere Arten aus der Tier- und Pflanzenwelt bedrohen. Wie Meldungen aus aller Welt bestätigen, nehmen Vogelpopulationen nicht nur in Deutschland und Europa seit Jahren ab, sondern rund um den Globus.

Landwirtschaft begrenzt Lebensräume der Vögel

Dabei spielt die intensive landwirtschaftliche Nutzung eine entscheidendste Rolle. Denn damit gehen große Flächen für Vögel verloren, die dort leben, nisten und ihre Brut versorgen. Nach Angaben des Umweltbundesamts ist die landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland in den letzten 17 Jahren leicht rückläufig.

Intensivlandwirtschaft © _Gabi Schoenemann_pixelio.de

Intensivlandwirtschaft © _Gabi Schoenemann_pixelio.de

Diese Tatsache lässt die dort lebende Vogelwelt aber kaum aufatmen, denn die aktuelle Größe erstreckt sich auf 51,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands (Stand 2015). Das ergab im Jahr 2016 eine Größe von fast 17 Millionen Hektar. Davon nutzen Landwirte 28 Prozent als Dauergrünland, also fast 4,7 Millionen Hektar. Nur vier Prozent des Dauergrünlands sind als Naturschutzflächen ausgewiesen.

Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland auf Platz drei der vier größten europäischen Agrarstaaten, zu denen Frankreich, Spanien und Italien zählen. Damit bleibt Vogelsterben in Europa ein Dauerthema. Ein Blick nach Osteuropa zeigt, dass dort der Artenschwund in der Vogelwelt weniger dramatisch verläuft als zum Beispiel in Mitteleuropa.

Wenn Feldlerche, Braunkehlchen und Kiebitz die Felder verlassen

Unterschiedlichste Vogelarten bevölkerten früher die Felder. Sie werden daher Feldvögel genannt. Bekannte Vertreter wie zum Beispiel Braunkehlchen, Großer Brachvogel, Rauchschwalbe, Mäusebussard oder Wiedehopf gehören dazu. Die zunehmende Intensivierung der konventionellen Landwirtschaft schränkt den Lebensraum unzähliger Feldvögel stark ein.

Auf den Feldern gelingt es ihnen kaum, inmitten hoher und dichter Bepflanzungen ausreichend Nahrung zu finden. Um höchste Erträge zu erwirtschaften, stehen Saat- und Pflanzreihen sehr eng. In der Brutzeit zerstören landwirtschaftliche Fahrzeuge Gelege und töten Jungvögel. Äcker und Grünländer bieten den Tieren heute kaum noch notwendigen Schutz. So leben sie und ihre Brut in steter Gefahr, ihr Leben zu verlieren. Nach Angaben des Umweltverbands NABU stehen mehr als 65 Prozent der Feldvögel in Deutschland auf der Roten Liste der Brutvögel.

Feldlerchen

So kämpfen zum Beispiel Feldlerchen in Deutschland sehr stark ums Überleben. Ihr Lebensraum ist in den letzten Jahren eng geworden. Geduldige Beobachter treffen sie nur noch sporadisch in offenen Feldfluren, auf Ackerflächen oder im feuchten Grünland an. Wie zahlreiche andere Vogelarten finden sie zwischen vielerorts hochwachsenden und dichten Vegetationen zu wenig zu fressen. Außerdem suchen sie heute vergeblich nach passender Nahrung, weil Pestizide auf landwirtschaftlich genutzten Flächen übermäßig aufgebracht werden.

Tagpfauenauge © Paul Bock

Tagpfauenauge © Paul Bock

In der Brutzeit ernähren sich Feldlerchen von Wirbellosen, also von Tieren ohne Wirbelsäule. Dazu zählen zum Beispiel Schnecken, Spinnen, Schmetterlinge und Käfer. Da konventionell arbeitende Landwirte zur Ertragssteigerung Pestizide einsetzen, um Schädlinge auszumerzen, verlieren Feldlerchen und andere Vögel eine wichtige Nahrungsgrundlage. Im besten Fall gelingt Feldlerchen dadurch nur die Aufzucht einer Brut im Jahr. Unter guten Lebensbedingungen konnten sie früher zwei bis drei Gelege erreichen.

Wo fliegen Braunkehlchen noch?

Als Bodenbrüter nisten Braunkehlchen gerne im Feuchtland und auf Streuwiesen. Ihre Bestände schrumpfen seit Jahren. Nur in den Mittelgebirgen stabilisiert sich offenbar ihr Vorkommen. Alle Vogelarten benötigen natürlich geeignete Lebensräume, in denen der Tisch für sie reich gedeckt bleibt und sie ihre Gelege sicher ablegen können. Nach Angaben des NABU führt ein ganzes Bündel von Fehlentwicklungen in Deutschland dazu, dass die bevorzugten Lebensräume des Braunkehlchens mehr als mangelhaft sind. Denn im Zuge der Trockenlegung großer Flächen Feucht- und Wiesenlandes verloren die Tiere angestammte Brutgebiete. Düngemittel und Pestizide, die Vegetationen rascher und dichter wachsen lassen, machen es ihnen schwer, an Nahrung zu gelangen.

Flurweg mit Buschsaum im Herbst © Paul Bock

Flurweg mit Buschsaum im Herbst © Paul Bock

Dazu kommt, dass viele Landwirte heute schon früh im Jahr ihre Wiesen mehrmals mähen. So zerstören sie unentdeckte Gelege und Nester mit Jungvögeln. Gute Lösungen, um den Bestand der Braunkehlchen zu retten, sehen Vogelschützer in erster Linie im Erhalt von Feuchtwiesen und der Ausweitung von Brachflächen mit Sitzwarten. Grundsätzlich verspricht die weiträumige Umstellung auf ökologische Landwirtschaft auch bei dieser Vogelart eine Anhebung der Populationsgröße.

Brachland mit Nistplätzen © Andreas Hermsdorf_pixelio.de

Brachland mit Nistplätzen © Andreas Hermsdorf_pixelio.de

Kiebitze ziehen sich in Naturschutzgebiete zurück

Ausgewachsene Kiebitze erreichen Taubengröße. Sie gehören zur Familie der Regenpfeifer. Damit zählen sie zur Ordnung der Möwenvögel. Obwohl sie unter guten Bedingungen auch im Ackerland leben, haben sie sich inzwischen in Feucht- und Überschwemmungsgebiete im Küstenraum zurückgezogen.  Denn innerhalb Deutschlands ist ihr natürlicher Lebensraum, nämlich feuchtes Dauergrünland, kaum noch geblieben.

Kiebitz © Kurt F. Domnik_pixelio.de

Kiebitz © Kurt F. Domnik_pixelio.de

Feuchtwiesen und Moore werden weiträumig trockengelegt, und abseits der Wege stört der Mensch allzu oft die Ruhe der Vögel. Wie Beobachtungen zeigen, bieten ihnen Naturschutzgebiete die besten Bedingungen. Hier sind sie nachhaltig geschützt und entwickeln noch größere Populationen. Nach Angaben des NABU (Naturschutzbund Deutschland) leben in Deutschland derzeit nur noch höchstens 100.000 Brutpaare, die nur ein Gelege im Jahr in die Welt setzen.

Verkehr, Stromleitungen und Verglasungen gefährden Vogelwelt

Auch im Luftraum lauern ständig Gefahren, die oft genug Vögel aller Art verletzen oder töten. In Bodennähe kollidieren sie mit Kraftfahrzeugen und Lastkraftwagen, aber ebenso mit Zügen. Fachleute sprechen dabei von Vogelschlag. Je schneller ein Fahrzeug sich fortbewegt, umso eher verletzen sich Vögel beim Aufprall oder werden einfach in der Luft zerrissen. Verkehrslinien jeder Art sind also gepflastert mit verendeten Vögeln.

ICE © Paul Bock

ICE © Paul Bock

Gleisanlage mit Bahnsteig © Paul Bock

Güterverkehr © Paul Bock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Eisenbahnbundesamt stellt dazu fest, dass „ die Mortalitätsrate im Schienenverkehr offenbar höher als im Straßenverkehr“ sei. Immerhin rasen ICE-Züge teilweise mit über 200 Kilometer pro Stunde übers Land. Und Stromabnehmer der Bahn ragen mindestens doppelt so hoch über den Boden wie etwa vier Meter hohe Lkws. Zu den häufigsten Opfern zählen große Greifvögel, wie Bussarde, Eulen, Adler und Käuze, aber auch Fledermäuse haben bei einer Kollision keine Chance.

So weit das Auge reicht, erheben sich Strommasten und -leitungen, die uns rund um die Uhr elektrisch versorgen. Damit über weite Strecken nur wenig Leistungsverluste auftreten, liegt Hochspannung an. Fliegen zum Beispiel Kraniche, Eulen und Störche diese Leitungen an, und berühren gleichzeitig zwei Leitungsstränge, erhalten sie starke Stromschläge. Sie sterben dann in Sekundenschnelle.

Stromleitungen © _Manfred Schimmel_pixelio.de

Stromleitungen © _Manfred Schimmel_pixelio.de

Glasscheiben und großflächig verglaste oder verspiegelte Gebäude erheben sich noch höher über den Boden als acht Meter hohe Stromleitungen der Bahn. Prallen Vögel dagegen, verletzen sie sich, stürzen zu Boden und sterben. Im Flug erkennen sie die für sie unsichtbaren Hindernisse oft zu spät. Wie der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) feststellt, sterben auf diese Weise in Deutschland jährlich mehr als 18 Millionen Vögel jeder Art. Im gleichen Zeitraum kommen im Vergleich dazu „nur“ 100.000 bis 200.000 Exemplare durch Windkraftanlagen um.

Fassadenspiegel © lichtkunst.73_pixelio.de

Fassadenspiegel © lichtkunst.73_pixelio.de

Windkraftanlagen - © Paul Bock

Windkraftanlagen – © Paul Bock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vögel ernähren sich reichhaltig

Vögel ernähren sich von allem, was ihnen die Natur in ihren Lebensräumen bietet. Also zum Beispiel von Gräsern, Beeren, Obst und Samen, von Schnecken, Käfern, Läusen und Larven. Wo gesunde Voraussetzungen herrschen, bieten ihnen Insekten reichhaltige Nahrungsangebote. Und in warmen Monaten krabbeln, surren und brummen überall Insekten, von denen sich dann besonders Singvögel gern ernähren.

Mauersegler ©_A. Wedel_pixelio.de

Mauersegler ©_A. Wedel_pixelio.de

Schwalbennest © _Ines Peters_pixelio.de

Schwalbennest © _Ines Peters_pixelio.de

Also zum Beispiel Meisen, Amseln, Schwalben, Baumläufer, Mauersegler oder Spechte. Obwohl der Nachwuchs alle Leckereien bekommt, bringen fleissige Eltern ihm vorwiegend Insekten ins Nest. So verfütten zum Beispiel Meisen jeder Brut vier Wochen lang beinahe 30.000 Insekten. Sie fliegen also täglich bis zu 1.000 Mal mit Insekten zum Nest. Schätzungen zufolge vertilgt ein Meisenpaar mit seinen Jungen jährlich bis zu 150 kg Insekten und Raupen. Da Insekten Fette und aufbauende Nährstoffe enthalten, werden junge Vögel rasch kräftig für ihren ersten Flug.

Vögel sterben im Schatten der Insekten

Leider ergeben neueste Untersuchungen, dass Insekten inzwischen ihren eigenen Überlebenskampf führen. Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) sieht in Deutschland einen dramatischen Rückgang der Fluginsekten. Trauriger Spitzenreiter aller Bundesländer ist Nordrhein-Westfalen. Dort sei die Zahl der Fluginsekten sogar um 80 Prozent gesunken. Im ökologischen Miteinander bleibt dieser Trend natürlich nicht folgenlos: Alt- und Jungvögel müssen ihren Gürtel enger schnallen. Also eine weitere wichtige Ursache, die einzelne Vogelpopulationen ernstlich in Gefahr bringt. Bei näherer Betrachtung ergeben sich für den Rückzug von Insekten-,  Vogel- und Pflanzenpopulationen die gleichen Gründe: zu wenig lebenswerte Räume und unsinnig hoher Einsatz von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln.

Marder © Wolfgang Bever_pixelio.de

Marder © Wolfgang Bever_pixelio.de

Iltis © Linda Dahrmann_pixelio.de

Iltis © Linda Dahrmann_pixelio.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Denkt man noch einen Schritt weiter, verlieren so stabile und lückenlose Nahrungsketten an Spannkraft, weil einzelne Glieder ausfallen. Natürliche Feinde der Vogelwelt fangen nun zum Beispiel weniger Vögel und können weniger Gelege ausräubern. Vogelfeinde sind zum Beispiel Marder, Wiesel oder Dachse, aber ebenso Füchse und Wildschweine. Aus ökologischer Sicht sichert also jeder, der ein sogenanntes „Insektenhotel“ im Garten aufstellt, auch anderen Tieren eine bessere Zukunft.

Fuchs © Miroslav Großer_pixelio.de

Fuchs © Miroslav Großer_pixelio.de

Frischling © Alfred Borchard_pixelio.de

Frischling © Alfred Borchard_pixelio.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wächst die Vogelwelt wieder?

Die Ursachen des Vogelsterbens sind vielfältig. Um die Missstände nachhaltig auszuräumen, ist also ein mindestens ebenso breites Lösungsspektrum notwendig. Zahlreiche Natur- und Tierschutzverbände versuchen, hier aktiv voranzukommen. Dabei entlarven genaue Untersuchungen, wo welche Fehler ausradiert werden können. Oberstes Ziel muss sein, die Stabilität von Flora und Fauna im ökologischen Wechselspiel wieder herzustellen und dauerhaft zu pflegen.

Der Naturschutzverband NABU berichtet aktuell: „In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands gelten drei Viertel der Offenlandarten als gefährdet, einschließlich Vorwarnliste sind es sogar 87 Prozent.“ Diese pechschwarze Situation zu retten, bedarf unzähliger Überlegungen und Einzelmaßnahmen. Ackerland, Grünflächen und Feuchtgebiete müssen wieder ihre Aufgabe als lebenswerte Räume erfüllen. Damit Vögel, Insekten und Pflanzen durchatmen können, Nahrung finden und sich frei vermehren.

Rückkehr der Vögel auf Agrarflächen

Wie beschrieben sind intensiv genutzte Agrarflächen heute noch sehr lebensbedrohliche Gebiete. Die wirksamsten Anpassungen sind daher dort vorzunehmen. Gezielt und regional abgestimmt. So wird zum Beispiel durch Erweiterung der Abstände zwischen Saat- und Pflanzreihen mehr Freiraum für die Vögel geschaffen. Brachflächen und Ackerrandstreifen sollten großzügiger gestaltet, Acker- und Grünland im lockeren Wechsel angelegt und – wo immer möglich – Hecken und Büsche als Nistplätze angeboten werden.

Ufersaum am See © Paul Bock

Ufersaum am See © Paul Bock

Auch der Erhalt von Ödland, Streuobstwiesen und Bäumen stärkt die Vogelwelt. In ganzjährig geschützten Bachsäumen und Weiherufern finden dort beheimatete Vogelarten Ruhe zum Nisten. Um besonders bedrohten Vogelarten den Schutz zukommen zu lassen, den sie benötigen, sollten gut betreute Schutzgebiete ihren festen Platz erhalten. Jede dieser Maßnahmen erhöht die Chance, dass sich nach und nach die Gelege vergrößern – mit dem langfristigen  Ziel, einzelne Vogelarten vor dem Aussterben zu bewahren.

Streuobstwiese © Christine Braune_pixelio.de

Streuobstwiese © Christine Braune_pixelio.de

 

Ökologische Landwirtschaft verhindert Vogelsterben

Die Ökolandwirtschaft garantiert Böden, Pflanzen, Vögeln und Insekten bekanntlich ein gesünderes Lebensklima als die konventionelle Form. Denn dabei kommen weder Pflanzenschutz- noch Düngemittel zum Einsatz. Böden, Flora und Fauna bleiben also in jungfräulichem Zustand. Damit bleibt die ökologische Vielfalt stabil und zukunftsfähig. Experten befürworten daher den steten Ausbau dieser naturnahen Bewirtschaftung und betonen, dass sich auf solchen Feldern mehr Vogelarten ansiedeln.

Ökologische Landwirtschaft © berggeist007_pixelio.de

Ökologische Landwirtschaft © berggeist007_pixelio.de

Auch Vogelbestände und Gelegegrößen entwickeln sich nach oben. Immerhin leben dort bedeutend mehr Insekten und Kleintiere als auf gedüngtem und gespritztem Grund. Zum Schutz besonders seltener Vogelarten müssen außerdem mehr Vogelschutzgebiete geschaffen und von Fachleuten gut gepflegt werden. Aber nur, wenn Landwirte, Naturschutzverbände und -behörden regional eng zusammenarbeiten und im ständigen befruchtenden Dialog bleiben, atmet die Vogelwelt wieder fröhlich auf. Und natürlich sollte jeder Vogelfreund seinen Teil dazu beitragen, indem er seinen Garten ökologisch bewirtschaftet, Freiräume für Vögel schafft und ruhige Nistplätze einrichtet.

 

© Paul Bock

Weitere Informationen:

„Fast jede zweite Vogelart Europas muss geschützt werden“ (Naturschutzbund Deutschland NABU, Presseportal)

„Das globale Vogelsterben ist ein böses Vorzeichen(WELT, Wissen)

„Vogelsterben nimmt dramatische Ausmaße an“ (Umweltinstitut München e.V.)

Statistisches Bundesamt zur Flächennutzung 

Rote Liste der Brutvögel in Deutschland 2016 (NABU)

Globale Rote Liste gefährdeter Vogelarten (NABU)

„Wiesenweihen nisten in fränkischer Altmühlregion“ (oekobeobachter)

Landesbund für Vogelschutz (LBV) e.V.

Gefährdung der Biodiversität (Umweltbundesamt)

Dramatisches Vogelsterben in Deutschland (Bayerischer Rundfunk, Bayern2 Radio, Tagesgespräch, 9.5.2017, Podcast)

„Der stumme Frühling: Vogelsterben in NRW“ (Video des WDR, 4.5.2017 / 2 Min. / verfügbar bis 4.5.2018)

Gesang einer Nachtigall (Aufnahme von youtube.com, Dauer 4:16 Min.)

Dokumentation über heimische Singvögel (Video von youtube.com, 2.9.2016)

„Die 40 häufigsten Gartenvogelarten im Porträt“ mit Bildern und Vogelstimmenaufnahmen (NABU)

Genaue Beschreibungen und Fotos von 254 Vogelarten (Natur-Lexikon.com)

 

 

 

 

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Über oekobeobachter

Als überzeugter Umweltschützer und Hobby-Journalist greife ich vielfältige Themen für Sie heraus. Dabei versuche ich, möglichst aktuell zu berichten und ein breites Spektrum abzudecken. Der Oekobeobachter möchte Sie über Natur, Umwelt und Ökologie informieren. Er möchte Sie auffordern, alle Sinne zu schärfen, um unseren herrlichen Planeten Erde in seiner Einzigartigkeit zu erhalten. Lassen Sie uns also gemeinsam anpacken. Wir tun es für uns.

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