Atomenergie in Deutschland nach Fukushima

Nach dem politischen Chaos der letzten Wochen, greift der Redakteur heute ein Thema für Sie auf, das weiterhin sehr brisant bleibt. Vor sieben Jahren ereignete sich der Atomunfall im japanischen Fukushima. Sie erinnern sich noch daran? Vor diesem Hintergrund schaut der Redakteur nach Deutschland und wirft drei Fragen auf:

  • Wie entwickelt sich der deutsche Ausstieg aus der Atomenergie?

  • Wo landet verstrahlter Müll in Deutschland?

  • Wie schützen wir uns bei einem Atomunfall?

Fukushima bleibt unvergessen

Am 11. März 2011 ereignete sich ein schwerer Störfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Ein Erdbeben mit darauf folgendem Tsunami löste dort eine Kernschmelze im Reaktor aus. Unmengen radioaktiver Stoffe verteilten sich in großen Gebieten. Evakuierungen liefen weiträumig an. Ungefähr 160.000 Menschen mussten ihr zu Hause über Nacht verlassen. Luft und Böden wurden langfristig verstrahlt. Unzählige Existenzen gingen verloren.

KKW Gundremmingen © Paul Bock
KKW Gundremmingen © Paul Bock

Dabei legten der Kraftwerksbetreiber Tepco und Regierungsvertreter die Karten nicht sofort offen auf den Tisch. Die Situation überforderte sie. Daher redeten sie erste Meldungen über das Unglück klein. Allzu menschlich. Aber viel Verantwortung erfordert ständige Transparenz. Nur so kann Vertrauen entstehen.

Wie tagesschau.de am 10.10.2018 berichtete, erhalten betroffene Bürger  insgesamt Entschädigungen von umgerechnet ca. 3,8 Millionen Euro. Das legte ein Gericht fest. Also pro Kopf einmalig ca. 2.700 Euro. Mit diesem kleinen Betrag kann wohl niemand neu durchstarten.

Atomausstieg in Deutschland

Seit dem Unfall in Fukushima zieht sich Deutschland allmählich aus der Atomenergie zurück. Wind-, Wasser- und Solarenergie stärken den Energiemix inzwischen sehr gut. Die letzten, deutschen Kernkraftwerke sollen bis Ende 2022 abgeschaltet sein. Das veröffentlicht das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in einer ansprechenden Karte auf seiner Website.

Endlagersuche bis 2031

Aber abgebrannte Brennstäbe und verstrahlte Bauteile stillgelegter Kernkraftwerke müssen viele Jahrzehnte lang sicher entsorgt werden. Ein Problem, das zahlreiche Gemüter erhitzt, denn seit Jahren läuft bundesweit die Suche nach topsicheren, unterirdischen Endlagern. Besonders für hochradioaktive Abfälle. Bisher allerdings ohne Erfolg. Übrigens existiert bis heute kein Atommüll-Endlager auf der ganzen Welt.

In Deutschland soll bis 2031 ein Endlager, das sich auch für hochradioaktiven Müll eignet, gefunden werden. Das Endlager Konrad bei Salzgitter, das schwach- und mittelradioaktive Abfälle aufnehmen wird, soll bis Juli 2027 fertiggestellt sein. Das berichtet die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE). Dort lagern dann schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Atommüll-Fass_R_K_by_angieconscious_pixelio.de
Atommüll-Fass_R_K_by_angieconscious_pixelio.de

 

Dezentrale und zentrale Zwischenlager

In der Zwischenzeit platzen sogenannte Zwischenlager aus allen Nähten. Sie liegen meist im Nahbereich von Kernkraftwerken (KKWs), um aufwendige und teure Transporte verstrahlter Materialien dorthin zu vermeiden. Sie heißen dezentrale Zwischenlager. Zu ihnen zählen zum Beispiel die Zwischenlager in Brokdorf, Neckarwestheim und Gundremmingen (hier die genaue Liste dezentraler Lagerstätten des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit). Dort liegen neben vielen verstrahlten Elementen auch Kernbrennstoffe.

Darüber hinaus nehmen drei zentrale Zwischenlager weitere radioaktive Abfallmengen auf:

  • Gorleben (Niedersachsen)
  • Ahaus (Nordrhein-Westfalen)
  • Lubmin (Zwischenlager Nord in Mecklenburg-Vorpommern).
Atomkraftwerk Biblis_R_K_B_by_setcookie_pixelio.de
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In Gorleben lagern zigtausend Tonnen hochradioaktive Abfälle unter Tage in einem Salzstock. Seine Größe erstreckt sich auf vierzehn mal vier Kilometer. Dabei reicht das Bergwerk bis in eine Tiefe von 3,5 Kilometern. Die hochradioaktiven Abfälle ruhen zum Teil in Glaskokillen . In Ahaus werden Kernbrennstoffe und andere vertrahlte Materialien gesammelt, und in Lubmin werden alle Arten von radioaktiven Abfällen sowohl behandelt als auch gelagert.

Doel 3 und Tihange 2 bröckeln

Wenn Sie sich an die Ereignisse in Fukushima erinnern, gewinnen Meldungen über aktuelle Störfälle in Europa an Brisanz. So machen im dichtbesiedelten sogenannten Dreiländereck zwischen Aachen, Maastricht und Lüttich zwei belgische Kraftwerksblöcke immer wieder bedenkliche Schlagzeilen: Doel 3 bei Antwerpen und Tihange 2 bei Lüttich.

Messungen zeigen, dass Risse die Reaktorbehälter durchziehen. Daher schlossen sich Bürger, Kommunen, Umweltverbände und Politiker gegen den Betreiber Engie Electrabel S.A. zusammen. Sie fordern die sofortige Abschaltung der Kernkraftwerke. Zu Recht fürchten sie sich vor einem atomaren Unfall, der Metropolen wie Aachen oder Maastricht akut bedroht. Allerdings laufen die Meiler bis heute weiter. Engie Electrabel S.A. ist ein belgischer Stromerzeuger, der im gesamten Beneluxbereich eine führende Stelle einnimmt.

Tabletten copyright Paul Bock
Tabletten copyright Paul Bock

Jodtabletten schützen Organismus

Da bei einer Kontamination radioaktives Jod als erster Stoff in die Umgebung strahlt und der menschliche Körper das Jod in der Schilddrüse eingelagert, kommen Jodtabletten zum Einsatz. Sie verhindern, dass das radioaktive Jod die Drüse zerstört. Im schlimmsten Fall sogar zu Krebs führt. Wie Fachjournale schreiben, sollen die Bürger sie aber erst im Ernstfall einnehmen, also am besten während oder kurz vor dem Notfall. In den vergangenen Monaten wurden solche Tabletten an die Aachener Bevölkerung verteilt. Auch Belgien ergriff diesen Weg.

Hier für Sie noch informative Inhalte zum Thema:

Fukushima

Videos

Atomausstieg in Deutschland

Zwischen- und Endlager

Schutzmaßnahmen bei Atomunfall

Der oekobeobachter wünscht Ihnen nun wieder reichhaltige Erkenntnisse. Sicherlich geht das diesmal bearbeitete Thema dem Einen oder Anderen von Ihnen tiefer unter die Haut. Vielleicht schärft die Redaktion Ihren Blick und Ihr Wissen für die ernste Problematik mit diesem Beitrag etwas. Denn obwohl Notfallpläne für Ernstfälle in den Schubläden schon bereitliegen, bleibt uns das Risiko kerntechnischer Unfälle noch viele Jahre erhalten. Entsprechende Vorkehrungen verhindern weder menschliches noch technisches Versagen. —

Der oekobeobachter wünscht Ihnen gute Gesundheit, und bleiben Sie bitte weiterhin wachsam. Die Redaktion freut sich auch diesmal über jeden Kommentar.

Ihr oekobeobachter

© Paul Bock

 

 

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