Wo pfeifen noch Spatzen?

Spatzenbestände schwinden

Unzählige Vogelarten verstummen in Feld, Flur und Stadt. Flächendeckend geht die Zahl der Feldvögel zurück. Eine ernste Entwicklung, die Umweltorganisationen seit Jahren beobachten und kritisieren. Auch die Bundesregierung sieht inzwischen Handlungsbedarf.

Aber auch im Artenschutz geht unter dem Dach eines bürokratischen Staates nichts schnell. Denn der Weg zwischen Erkenntnis, Strategieentwicklung bis hin zu notwendigen Maßnahmen braucht sehr viel Zeit. Hier entscheiden weder staatlich gebotener Umwelt- und Tierschutz rasch noch menschliche Vernunft. Hier entscheiden vielmehr Paragraphen, Gesetze und Regeln im Kriechtempo, die oft vorher noch auf Anwendung geprüft werden müssen. Das kostet Zeit – und vielen Vögeln ihr Leben.

Spatz badet sich_R_K_B_by_Ruth Rudolph_pixelio.de
Spatz badet sich_R_K_B_by_Ruth Rudolph_pixelio.de

Spatzen lieben ein Wasserbad

Vorwiegend in großen Städten zählen Ornithologen bereits seit einigen Jahren bedeutend weniger Spatzen. Die Vögel heißen auch Haussperlinge, weil sie sich gerne in bewohnten Gebieten aufhalten und gemeinhin im Schutz von Gebäuden ihre Nester bauen. Ihr Flugradius erstreckt sich auf nur einen bis zwei Kilometer. Sie leben also relativ standorttreu, so dass ihr Fehlen dort deutlich auffällt. Der Redaktion gelang es allerdings nicht, genaue aktuelle Bestandszahlen zu ermitteln oder sie in Beziehung zu früheren Zahlen zu setzen.

In erster Linie ernähren sich die Tiere von Beeren, Samen, Brot und Abfällen. Zur Aufzucht ihrer Jungen brauchen sie allerdings Insekten, die sie in harter, täglicher Arbeit in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen an sie verfüttern. Denn Insekten tragen Eiweiss und Fette in sich, die die Jungtiere rasch wachsen lassen. Dabei bevorzugen die Eltern für ihre Sprösslinge zum Beispiel Raupen.

Großstadt mit Neubauten_R_K_by_Miroslaw_pixelio.de
Großstadt mit Neubauten_R_K_by_Miroslaw_pixelio.de

Spatzen stehen auf der Vorwarnliste

Wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) aktuell schreibt, haben die Spatzenbestände in Bayern seit den 1950-er Jahren sehr stark abgenommen. Inzwischen steht die Art in Deutschland sogar auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten. Daher kürt der LBV den 20. März als Weltspatzentag .

Vielleicht sehen Sie sich dieses kurze Spatzenvideo einmal an und lauschen ihrem Zwitschern. Beobachten Sie diese possierlichen Vögel in aller Ruhe.

Warum gibt es immer weniger Haussperlinge?

Wie im oekobeobachter ausführlich und mehrfach berichtet, nimmt der Schwund unzähliger Vogelarten deutschland-, europa- und weltweit beständig zu. Als Ursachen lassen sich dafür immer die gleichen identifizieren: zu kleine und zu wenig artgerechte Lebensräume, übermäßiger Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und das ebenfalls ungehinderte Insektensterben. Dabei verstärkt jede Ursache die anderen. Ein Teufelskreis, in dem Vogelpopulationen allmählich ihren Tod finden.

Bläuling by Luise pixelio.de
Bläuling by Luise pixelio.de

Mit diesen Entwicklungen kämpfen natürlich auch Haussperlinge. Da sie aber vorwiegend in städtischen Bereichen leben und an Gebäuden versuchen, Nester zu bauen, kommt noch ein anderer spezifischer Grund dazu: gut zugängliche, besonders geschätzte Nistbauplätze, zum Beispiel unter Dachpfannen oder -firsten, werden bei Neubauten immer häufiger gut verputzt. Auch Verschalungen zwischen Fassade und Dach verhindern gezielt jeden Nistbau. In Neubaugebieten suchen dann Haussperlinge oft vergeblich nach geeigneten Nistplätzen.

Welcher Gebäudeeigentümer findet schon gern Kotflecken an der Fassade oder gar vor seiner Haustür? Oftmals kommen dann aber als Ausgleich keine Nistkästen zum Einsatz. Eine ernste Zwickmühle für Spatzen, denn wenn sie keine Nistplätze mehr finden, bauen sie viel weniger Nester und der Nachwuchs bleibt aus – auch in kommenden Generationen. Eine Spirale, die ohne regionale Unterstützung der Anwohner beständig nach unten führt.

Nistkasten an Eiche_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de
Nistkasten an Eiche_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de

Wie greifen wir Spatzen wirksam unter die Flügel?

Erfahren Sie hier beim Landesbund für Vogelschutz, wie Sie Spatzen in Ihrer Umwelt wirksam unter die Flügel greifen können. Lesen Sie, wo sich Haussperlinge wohl fühlen, welche Umgebungen sie bevorzugen und was die Vögel an die Umwelt zurückgeben.

Sie besitzen ein Eigenheim oder betreiben einen eigenen Garten? Dann stellen Sie geeignete Nistkästen für Haussperlinge oder andere Vogelarten auf. Der NABU bietet Ihnen hier eine Anleitung zum Eigenbau eines Spatzenhauses. Noch mehr  Bauanleitungen finden Sie hier.

Vielleicht teilen Sie der Redaktion danach Ihre Erfahrungen mit. Nutzen Sie dafür bitte das Kommentarformular.

Auch heute wieder ein paar vertiefende Links zum Thema für Sie:

„Kommt kein Vogel geflogen“, Süddeutsche Zeitung

„Verantwortungsvoller Umgang mit Sperlingen“, Ostholsteiner Anzeiger

NABU: Steckbrief des Hausperlings

Landesbund für Vogelschutz (LBV): der Haussperling

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: „Der Spatz als Botschafter für die Stadtnatur“

„Spatz – Vom Allerweltsvogel auf die Rote Liste“, DEUTSCHE WILDTIERSTIFTUNG

Die Redaktion wünscht Ihnen nun noch kurzweiliges Stöbern beim oekobeobachter und dabei reichhaltige Erkenntnisse. Bleiben Sie weiterhin gesund und wachsam!

Ihr oekobeobachter

© Paul Bock

2 Kommentare zu „Wo pfeifen noch Spatzen?

  1. Ich hatte im Frühling in Italien eine amüsante Begegnung mit zwei – drei Spatzen. Es wäre wirklich sehr schade, wenn es diese fröhlich wirkende Tierchen nicht mehr gäbe. Das trifft natürlich auf alle Tiere zu, denn alle Helfen, die Natur im Gleichgewicht zu halten. Schönen Abend noch, lg

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Dario,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Spatzen sind wirklich keine besonderen oder exotischen Vögel, aber im gesamten ökologischen Netzwerk erfüllen sie ihre Aufgaben.

      Was allerdings zu denken gibt, ist die Tatsache, dass eine Art erst dann in den Fokus der Berichterstattung gerät, wenn sie gefährdet ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Tiere oder Pflanzen handelt.

      Prinzipiell zeigt sich das gleiche Phänomen im menschlichen Umgang. Stell´ Dir vor, jemand, den Du kennst, erkrankt oder stirbt sogar. Manchmal machen wir uns auch erst dann mehr Gedanken um ihn/sie.

      LG vom Paul

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