UN ruft 1. Weltbienentag aus

Wenn wir Artenschutz realistisch betrachten, leben die Bienen wohl auch nach der Einführung des 1. Weltbienentags der Vereinten Nationen nicht gesünder als vorher. Bleibt es doch auch wieder nur ein internationales Zeichen, das zum gemeinsamen Handeln auffordert. Gewissermaßen ein Schulterschluss im Geiste.

20. Mai 2018: 1. UN-Weltbienentag

Um den Bienen aktiv zu helfen, braucht es keine Jahrestage. Nur wenn wir uns intensiv mit ihrer Lebensweise, ihren Vorlieben und ihren Aufgaben im ökologischen Netzwerk auseinandersetzen, greifen wir diesen Insekten tatkräftig unter die Flügel. Alles andere bleibt halbherzige Augenwischerei. Denn Parasiten, wie die gefürchtete Varroa-Milbe, regelmäßige Pestizideinsätze sowie landwirtschaftliche Monokuluren setzen Bienen-Populationen gehörig zu. Dort brauchen wir wirksame, tatkräftige Lösungen. Als einzelne Art sind Honigbienen allerdings nicht bedroht.

 

Honigbiene - R_B by luise - pixelio.de
Honigbiene – R_B by luise – pixelio.de

 

Bienen tragen viel Verantwortung für unser Wohlergehen

Das zeigte eine gemeinsame Aktion des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) und eines Penny-SB-Markts in Hannover-Langenhagen ganz deutlich. Dort räumten NABU-Aktive kurzerhand alle Produkte aus den Regalen, die ohne den Fleiss der Bienen gar nicht im Sortiment wären. Die schonungslose Folge: ein großer Teil der Regale war leer. Auch die Tiefkühltruhen gähnten vor Leere, denn Rinder oder Schweine ernähren sich auch von Pflanzen, die von Bienen bestäubt werden. Ein natürlicher Kreislauf, der ohne Bienen also nicht mehr rund läuft. Vor dem Hintergrund deutschen Fleischkonsums ein Desaster!

Bienen stehen als Nutztiere an dritter Stelle

Vor ihnen rangieren Schweine und Rinder. Bienen erwirtschaften im Jahr geschätzte 500 Milliarden Euro. Immerhin bestäuben sie gut Dreiviertel aller Kultur- und mindestens 80 Prozent aller Wildpflanzen. Ohne ihren zuverlässigen Einsatz entwickeln sich diese Vegetationen nicht – mit allen Folgen, die daraus erwachsen. Der überwiegende Teil aller Gemüse-, Obst und Gewürzsorten pflanzen sich dann nicht fort und fehlen auf unseren Tellern. Ebenso wie Kakaoprodukte, Nüsse und Kosmetikartikel.

 

Wildbiene -R_B by luise - pixelio.de
Wildbiene -R_B by luise – pixelio.de

 

Wildbienen und Hummeln garantieren ökologische Vielfalt

Tatsächlich leben Wildbienen und Hummeln in größerer Gefahr als Honigbienen, die von Imkern intensiv gepflegt werden. Sie bewegen sich in weiteren Fluggebieten als Honigbienen und befruchten doppelt soviele Pflanzen und erreichen mit ihrem längeren Rüssel auch tiefe Blütenkelche, die Honigbienen verwehrt bleiben. Für Ökosysteme und Artenspektren der Flora kommt ihnen ein hoher Stellenwert zu. Ihr Kampf gegen schädliche Pestizide und schrumpfende Lebensräume endet meist mit dem Tod, denn sie ernähren sich von vergifteten Pollen. Die Gifte rauben ihnen sogar ihre lebensnotwendige Flugorientierung. So schwinden unzählige Arten auf Nimmerwiedersehen. Besonders auf sogenannten „Agrarwüsten“ mit Monokulturen haben sie nur geringe Überlebenschancen. Dagegen bleiben die Artenspektren bei ökologischer Feldwirtschaft sehr gut erhalten.

Seit den 1980-er Jahren starben gut 80 Prozent der gesamten Insekten-Biomasse dahin. In der Folge schrumpfen inzwischen auch unzählige Vogelpopulationen. Das allgemeine Insektensterben führt zum Vogelsterben. Vielleicht finden Interessierte bald nur noch in biologischen Fachbüchern und Annalen Abbildungen und Beschreibungen vieler Spezies. Ein Jammer! Darum bringen neue Jahrestage diesen Insekten kein Aufatmen. Jetzt müssen rasch Taten folgen. Voller Überzeugung, flächendeckend, international.

 

Imker bei der Arbeit_R_by_angieconscious_pixelio.de
Imker bei der Arbeit_R_by_angieconscious_pixelio.de

 

Politiker und Verbraucher müssen sich für Insekten einsetzen

Auch wenn Honigbienen bei Politikern nur stellvertretend für das allgemeine Bienen- und Insektensterben stehen, macht das Thema jeden Tag seine Runde. Aber erst wenn Politiker und Abgeordnete sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen und wegsehen, stehen die Chancen ein wenig besser. Allerdings müssen auch wir Verbraucher unseren aktiven Beitrag zum Erhalt der Honig- und Wildbienen, der Hummeln, Schmetterlinge und anderer Insekten leisten.

Bieten Sie ihnen dazu zum Beispiel nahrhafte und gesunde Lebensräume durch gezielte Blumenaussaat von Ringel- und Kornblume, Dill, Buchweizen oder Borretsch an. Verwenden Sie nur biologische Dünger und lassen Sie die Hände weg von Pestiziden jeder Art. Bauen oder kaufen Sie ihnen ein Insektenhotel, in dem sie sich wohlfühlen und in Ruhe vermehren können.

 

Weiterführende Infos zum Thema für Sie:

„Das kollektive Königreich“, liebevolle Beschreibung zum Bienenverhalten mit Hintergrunddetails, Greenpeace Magazin

„So leer wäre ein Supermarkt ohne Bienen“, SPIEGEL ONLINE zur NABU-Aktion in Hannover-Langenhagen

„Bienenkiller runter vom Acker!“, Greenpeace, mit Video und Pdf-Dokument

„Ohne Bestäubung geht es nicht“, Dossier aus scinexx, Wissensmagazin

„Eine Welt ohne Bestäuber“, Dossier aus scinexx, Wissensmagazin

BR zum 1. Weltbienentag, mit zahlreichen Audios

BUND zum Thema „Wildbienen“, mit Hintergründen und Publikationen

Greenpeace zum Internationalen Weltbienentag

 

Ich hoffe, Sie haben nun neue Erkenntnisse über unsere „fleißigen Lieschen“ gewonnen. Oder alte ein wenig aufgefrischt.

Bleiben Sie bitte auch weiterhin gesund und wachsam.

Übrigens erinnert uns der Kalender morgen am 22. Mai 2018 an den Tag der biologischen Vielfalt. Dazu zählen natürlich auch Bienen, Hummeln und tausende weitere Arten im wunderbar bunten Naturspektrum.

Ihr oekobeobachter

© Paul Bock

2 Kommentare zu „UN ruft 1. Weltbienentag aus

  1. Hallo Paul, es ist schon bemerkenswert, wie komplex und doch wie fragil die Natur aufgebaut ist. Ich finde die Aktionen wie den Bienentag 🐝 gut, auch wenn es nur der erste Schritt ist. Die Welt braucht wieder mehr Gemeinschaftssinn. Danke und liebe Grüße, Dario 🙂

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    1. Hallo Dario,
      herzlichen Dank für Dein Lob für meinen Artikel über den Bienentag und Deinen Kommentar dazu.
      Du hast vollkommen Recht: die Natur zeigt sich in allen Bereichen ganz fein aufeinander abgestimmt. In Flora und Fauna regieren Gleichgewichte, die leicht aus dem Ruder laufen.
      Wer sich viel mit Umweltthemen beschäftigt und genau hinsieht, erkennt recht bald, dass dabei schlussendlich der Mensch der einzige Störfaktor ist. Egal, welchen ökologischen Pfad wir uns ansehen.
      Ich denke, den meisten Menschen fehlt der gesunde Respekt vor der Natur und ihren Gesetzen und Zusammenhängen.
      Einfach nur einmal eine Viertelstunde ruhig ins Gras setzen, dem Brummen und Summen der Natur lauschen und dabei die kleinen Wunder dieses faszinierenden Reichs beobachten, würde wohl mehr Bewusstsein schaffen.
      Der französische Philosoph Rousseau hat einmal gesagt: „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.“ Ein wahres Wort.
      Dir ein sonniges, fröhliches Wochenende!
      Schreibfreudige Grüße aus der Nacht vom Paul

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