Igel brauchen Verstecke und genug Nahrung

Igel fühlen sich in naturnahen Gärten und Kulturlandschaften wohl

Wenn in Gärten und Parks der Abend dämmert, macht der Igel sich auf Wanderschaft, um im Dunkeln nach Futter zu suchen. Tagsüber lebt er scheu im Schutz von Hecken, Büschen und Sträuchern. Gerne wühlt er sich auch in Laubhaufen ein. Dort fühlt er sich wohl und baut eigene Nester. Manchmal verschläft er darin den ganzen Tag. In seinem braun-beige gefärbten Stachelkleid bleibt er dann beinahe unsichtbar. Igel riechen und hören ausgezeichnet. Daher orientieren sie sich auch nachts völlig problemlos. Ungeklärt bleibt allerdings bis heute, ob sie in der Lage sind, Farben zu erkennen. Biologen vermuten, dass sie ihre Umgebung nur in schwarz-weißen Tönen wahrnehmen.

Igel im Garten - copyright Paul Bock
Igel frisst im Garten – copyright Paul Bock

Wenn Marder, Dachs, Fuchs & Co. auf der Lauer liegen

Wenn sich ein Igel verteidigen muss, rollt er sich kugelförmig zusammen und stellt dabei seine messerscharfen Stacheln auf. So wehrt er die meisten Angreifer noch rechtzeitig ab. Allerdings setzen ihm nur wenige Fressfeinde zu. Da er aber seit langem bei uns als Kulturfolger gilt und lieber in nahen Siedlungsgebieten wohnt, bedrohen ihn auch nur eine Handvoll andere Tierarten: Dazu zählen insbesondere Marder und Dachse, Uhus, Habichte  und Füchse. Jedoch gelingt es nur Greifvögeln und Dachsen, den stacheligen Panzer mit Schnabel und Krallen zu überwinden. In unseren Breiten nehmen Igel als einzige Tierart im Stachelpelz eine absolute Sonderstellung ein. Diese Art der sogenannten Stacheligel lebt in fast allen Erdregionen.

Marder_R_K_by_Ilona Laufersweiler_pixelio.de
Marder_R_K_by_Ilona Laufersweiler_pixelio.de

Der Mensch als größter Feind des Igels

Die größten Feinde der Igel bleiben aber nach wie vor Menschen, wenn sie unbedacht Gräser und Büsche ausschneiden und dabei die scheuen Stachelritter übersehen und verletzen. Viele von ihnen werden auch beim Überqueren von Straßen überfahren. Dann haben die Tiere keine Chance und bleiben schwerverletzt und zerfetzt am Tatort liegen, wo sie qualvoll sterben. Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung sind Igel heute im Bestand aber nicht bedroht. Das mag wohl daran liegen, dass sie sich als kulturfolgende Art den Schutz heimischer Vorgärten und Parks erobert haben.

Dort finden sie gute Verstecke und genug Nahrung. Außerdem fahren in diesen bevorzugten Lebensbereichen weniger Autos als auf Fernstraßen. Dazu kommt, dass in Wohngegenden oft Geschwindigkeitsbegrenzungen und verkehrsberuhigte Zonen gelten, die die Unfallgefahr für Igel deutlich minimieren. Der flächendeckende Insektenschwund aber setzt ihnen weiterhin zu.

So gestalten Sie Ihren Garten igelfreundlich

Vielleicht haben Sie Glück, dass Igel oder sogar eine Igelfamilie in Ihrem Garten regelmäßig auftauchen. In unseren Breiten treffen Sie den Braunbrustigel an. Ihn zeichnet eine bräunliche Brustfärbung aus.

Wildblumenwiese_R_by_Jetti Kuhlemann_pixelio.de
Wildblumenwiese_R_by_Jetti Kuhlemann_pixelio.de

Wie aber überzeugen Sie die Tiere davon, dauerhaft zu bleiben? Dazu brauchen Sie nur ein einfaches Rezept beherzigen: pflegen Sie Ihren Garten in Maßen. Lassen Sie den Igeln also gute Versteckmöglichkeiten unter Büschen, Hecken, Laubhaufen und im Komposthaufen. Verzichten Sie auch auf den hochgelobten „englischen Rasen“, der rasch austrocknet und Gräser- und Wildblumenwuchs massiv und dauerhaft unterbindet. So erhalten Sie gleichzeitig das natürliche Nahrungsreservoir der Insekten, die damit wiederum das Nahrungsangebot der Igel sicherstellen und erhöhen.

Igel ernähren sich nicht nur von Insekten. Auch wirbellose Tiere, die in Bodennähe leben, decken ihren Tisch. Also zum Beispiel Regenwürmer, Käfer, Ohrwürmer und Kellerasseln, Weg- und Weinberg- oder Tigerschnecken. Igel arbeiten also als nützliche Gartenhelfer. Lebt ein Igel in Ihrem Garten, bleibt sein Aufenthalt aus zwei Gründen kaum verborgen:

  1.  Igel verhalten sich geräuschvoll und schmatzen beim Fressen.
  2.  Igel hinterlassen auf ihren Wegen Kot.
Garten für Igel_R_by_Wolfgang Dirscherl_pixelio.de
Garten für Igel_R_by_Wolfgang Dirscherl_pixelio.de

Verwenden Sie auf keinen Fall Mähroboter oder Laubsauger im Garten, denn diese Geräte entfernen Kleinstlebewesen, die den Tisch der Igel decken. Außerdem verhindern sie damit die natürliche Aussaat von Gräsern und Blumen. Verzichten Sie ebenso auf Kunstdünger und Pestizide, die Böden und Nahrung vergiften. Wenn Sie Obstbäume haben, lassen Sie bitte im Herbst Ihren Gartenbewohnern ein wenig Fallobst liegen. Denn mürbe Äpfel und Birnen, in denen sich Maden und Würmer eingenistet haben, schmecken Stachelrittern sehr gut. Für ihren Winterschlaf, den sie in einem sicheren Nest verbringen, brauchen sie einen dicken Winterspeck.

So bauen Sie Igeln eine winterfeste Burg

Wenn Sie möchten, dass der oder die Igel längerfristig in Ihrem Garten bleiben, bauen Sie am besten eine sogenannte „Igelburg“. Das gelingt Ihnen schon mit einfachen Mitteln: ein paar Steine, ein stabiles Dach aus Holz oder einer Eternitplatte, Erde und Mulch als Dämmmaterial. Und so gehen Sie vor:

Legen Sie die Steine im rechteckigen Grundriss in einer ruhigen, geschützten Gartenstelle aus. Achten Sie bitte darauf, dass Katzen der Burg fernbleiben und die Ruhe Ihrer Gartenbesucher nicht stören. Dazu bauen Sie zwischen den Steinen ein Hindernis ein, das Katzen daran hindert einzudringen. Genaue Details dazu sehen in den eingefügten Fotos meiner selbstgebauten Igelburg.

Randsteine der Igelburg unter geöffneten Holzdeckeln - copyright Paul Bock
Randsteine der Igelburg unter geöffneten Holzdeckeln – copyright Paul Bock
Igelburg mit einer geöffneten Deckplatte - copyright Paul Bock
Igelburg mit einer geöffneten Deckplatte – copyright Paul Bock

Mit Einbruch des Winters ziehen sich Igel in ihr Nest zurück und fallen zwischen November und März in Winterschlaf. Dann fahren sie ihren Stoffwechsel zurück. Erst wenn die Außentemperaturen länger über zehn Grad Celsius ansteigen, verlassen sie ihr Versteck wieder.

Igelburg mit 2 geschlossenen Holzabdeckungen - copyright Paul Bock
Igelburg mit 2 geschlossenen Holzabdeckungen – copyright Paul Bock

Keine Frage, dass sich eine Igelburg für natürliche Ruhepausen optimal eignet. Außerdem gebären trächtige Igelmamas ihre Jungen gern im sicheren Schutz der Burg und versorgen sie dort. Wählen Sie daher den Standort Ihrer Igelburg gut aus. Locken Sie die Igelmama am besten mit Igelfutter an, das Sie vor der Burg in einer Schale aufstellen. Sie erhalten das nährreiche Futter im gutsortierten Handel. Geben Sie Igeln auf keinen Fall Milch, denn davon bekommen sie ernste Verdauungsprobleme und können sogar daran sterben.

Wenn Igel Karrussell fahren

Igel leben zwar als Einzelgänger, finden sich aber in Deutschland zwischen Mai und den letzten Augusttagen zur Paarung zusammen. Dabei umkreist das männliche Tier ungeduldig schnuppernd und schmatzend das weibliche. Dieses drückt sich dann eng auf den Boden und versucht, dem Ansinnen des Männchens erfolgreich auszuweichen, bis es schließlich nach vielen Minuten nachgibt. Biologen sprechen treffend vom „Igelkarrussell“. Da Igel keine festen Partnerschaften eingehen, zieht das männliche Tier nach versuchter oder gelungener Begattung wieder seiner Wege, um weitere Weibchen aufzuspüren und seine Art erfolgreich zu vermehren.

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Oben sehen Sie, wie das Weibchen Igelfutter aus der Schale frisst und sich das männliche Tier an sie von hinten langsam heranmacht.

Vor einigen Wochen hatte ich selbst das Glück, solch ein beeindruckendes Schauspiel mitzuerleben: der Abend war fortgeschritten, und das Weibchen fraß in aller Ruhe ihr Igelfutter aus der aufgestellten Schale. Schließlich tauchte das männliche Tier aus dem Dunkel auf, schnupperte ebenfalls an den Körnern und begann, das Weibchen wie oben beschrieben zu umkreisen. Sofort entschloss ich mich, das Schauspiel mit der Kamera aufzunehmen. Davon füge ich Ihnen hier meine Videoaufnahme ein. Wie bei vielen anderen Naturaufnahmen brauchen Sie viel Geduld beim Ansehen.

Nach einer Tragzeit von ungefähr 35 Tagen werfen Igel in der Regel vier oder fünf Junge. Das geschieht allerdings nur einmal im Jahr. Meist im August und September. Sie werden dann mindestens sechs Wochen lang von ihrer Mutter gesäugt. Die tauben und blinden Jungtiere nehmen erst nach zwei Wochen ihre Umwelt deutlich wahr, wenn sich Ohren und Augen öffnen. Schließlich verlassen sie das Nest ab und zu und gehen auf erste Abenteuertouren, um selbst Futter zu finden. Nach weiteren 40 Tagen stehen sie auf eigenen Pfoten und gehen ihrer Wege.

Gibt es bald Nachwuchs im igelfreundlichen Garten?

Igeljunges_R_K_B_by_Uwe Drewes_pixelio.de
Igeljunges_R_K_B_by_Uwe Drewes_pixelio.de

Nun hoffe ich, dass die gefilmte Igelmama bald in der Igelburg einzieht, dort vielleicht gebärt und ihren Nachwuchs aufzieht. Bei einer Geburt können bis zu fünf Igelbabys das Licht der Welt erblicken.

Weitere Infos zum Thema Igel für Sie

Pro Igel , Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e. V.

Igelfreundlicher Garten, Pro Igel – Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.

„Igel füttern – Was Sie Igeln geben dürfen“, Landesbund für Vogelschutz LBV

Fortpflanzung der Igel, Naturschutzbund Kreisgruppe Vechta e. V. informiert Sie detailiert und mit zahlreichen Fotos

„Igelhilfe im eigenen Garten“, aus dem Ratgeber des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV)

„10 praktische Tipps“ – So schaffen Sie auch Igeln einen naturnahen Garten, eine informative Seite der Kuriosen Tierwelt

„Das Wichtigste zum Igel auf einen Blick“, ARD, planet wissen, mit Kurzvideo junger Igel

Video einer Igelpaarung (Igelkarrussell), Video aus dem Zoo von Hannover, Dauer: 6:19 Min.

 

© Paul Bock

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