Kein Pardon für Monsanto

Wenn die Wahrheit ans Tageslicht kommt

Widersprüche und Verfälschungen haben meist kurze Beine. In solchen Fällen geraten sogar Agrarkonzerne wie Monsanto sichtbar ins Stolpern und Stottern. Dann fordern Belogene, Geschädigte und die Gesellschaft zu Recht Konsequenzen vom Unternehmen.

Seit beinahe 45 Jahren verkauft der Agroriese Monsanto Pflanzenschutzmittel und gentechnisch behandeltes Saatgut auf dem Weltmarkt. Das darin enthaltene Totalherbizid Glyphosat tötet nicht nur Unkräuter ab und belastet die menschliche und tierische Gesundheit, es zerstört auch intakte Ökosysteme und ist mitverantwortlich für Insekten- und Vogelschwund. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat es für Menschen als „wahrscheinlich krebserzeugend“ eingestuft.

Nun gewann ein todgeweihter Krebskranker als erster seine Klage vor einem US-amerikanischen Gericht. Die Geschworenen halten es als erwiesen, dass Glyphosat für seinen Lymphknotenkrebs ursächlich Mitverantwortung trägt. Die Schmerzensgeldforderung beträgt ca. 250 Millionen Euro. Natürlich legt Monsanto dagegen Berufung ein.

Justitia_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de
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Klagewelle gegen Monsanto in USA rollt an

Neueste Meldungen berichten inzwischen über eine bevorstehende Prozesslawine von mehr als 5.000 Einzelfällen, die auf Monsanto zukommt. Anwaltskosten und Verfahren verschlingen Millionen Dollar. Gesteigerte Werbemaßnahmen werden den Imageverlust des Konzerns kaum ausgleichen. Fachleute rechnen damit, dass Monsanto nun wichtige Marktanteile verliert und der Umsatz deutlich sinkt, weil kritische Kunden umdenken. Immerhin nimmt das Unternehmen mit ihrem Verkaufsschlager „Roundup“, einem glyphosathaltigen Totalherbizid, täglich Millionen Euros ein. Ob die Kassen weiterhin klingeln, bleibt fraglich. Wie die taz und andere Medien schreiben, gerieten die Aktienwerte des Mutterkonzerns, der Bayer AG, kurzfristig stark unter Druck. Die Aktienwerte stürzten bis zu 14% ab.

Gericht verbietet Glyphosateinsatz und -verkauf in Brasilien

Auch auf dem südamerikanischen Kontinent setzen Farmer seit Jahrzehnten Glyphosat und glyphosatresistentes Saatgut regelmäßig ein. Kein Wunder also, dass auch dort Böden, Flora, Fauna und Menschen vergiftet werden. Allerdings zeigen sich im Süden Amerikas andere soziale Strukturen als in Nordamerika, wo Farmer oft bessere finanzielle Grundlagen haben. In Südamerika, also zum Beispiel in Brasilien oder Argentinien, leben Farmer zumeist als Landarbeiter, denen Preise und Anbaumethoden vorgeschrieben werden. Sie verfügen über keine Lobby und leben meist in Armut, obwohl sie zum Beispiel Baumwolle, Sojabohnen und Mais großflächig anbauen. Dabei belasten sie doppelte Kosten für Spritzmittel und resistentes Saatgut.

Maisfeld_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de
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Der Herbizideinsatz führt zu engen, sozialen Abhängigkeiten, aus denen sich die Landarbeiter kaum erfolgreich lösen können. Denn alle Farmer oder Landwirte, die den Wirkstoff einmal ausgesprüht haben, müssen ihn regelmäßig auf den Feldern verteilen. Und nur wenn sie glyphosatresistentes Saatgut Jahr für Jahr verwenden, erzielen sie dauerhaft gute Ernteerträge. Weltweit haben sich Agrarerzeuger so von Glyphosat und Monsanto abhängig gemacht. Oft fehlen ihnen hinreichende Informationen zum sicheren Umgang mit Herbiziden. In öffentlichen Werbefilmen stellen Hersteller die Handhabung jedoch völlig problemlos und ungefährlich dar.

Nun regt sich allerdings auch in Brasilien deutlicher Widerstand gegen Glyphosat: daher hat das brasilianische Bundesgericht den Verkauf und den Einsatz von Glyphosat ausgesetzt. Das gilt auch für bereits zugelassene neue Produkte des Herstellers. Nun versucht Monsanto, in Brasilien das Schlimmste zu vermeiden. Das Unternehmen wiegelt die Entwicklung ab und führt dutzendweise Studien an, die die Ungefährlichkeit des Totalherbizids nachweisen sollen. Wenn ein Konzern zur Verteidigung soviele Pfeile im Köcher trägt, muss er sie ganz bewusst dort bereithalten, weil er erwartet, sie früher oder später einzusetzen. Studien kosten bündelweise Geld und verfehlen nur selten gewünschte Ziele. –

Demonstranten_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de
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Widerstand argentinischer Farmer gegen Monsanto wächst

Im Süden Brasiliens liegt Argentinien. Dort liegen riesige Soja- und Tabakfelder, die ebenfalls mit Glyphosat regelmäßig behandelt werden. Wie unzählige Fälle beweisen, leiden dort Landarbeiter und deren Familien verstärkt unter ernsten Krankheiten, die wohl das Pflanzenschutzmittel verursacht. Wie Untersuchungen vor Ort zeigen, stehen Krebs-, Herz- und Schilddrüsenerkrankungen bei Betroffenen ganz oben. Die sehr ernste, unheilbare amyotrophe Lateralsklerose (ALS) werde offenbar auch durch das Herbizid ausgelöst.

SEHR EMPFEHLENSWERT:

„Glyphosat – Argentiniens kranke Kinder“, DOKU aus INFO TV vom 1.1.2018, Dauer: 29:06 Min.; argentinische Tabakbauern begehren gegen Glyphosateinsatz auf

„Krank durch Glyphosat?“

Kommt nun ein Glyphosat-Verbot in Deutschland?

Wie die taz am 13.8.2018 schrieb, plane die deutsche Bundesregierung bis 2021 offenbar kein „grundsätzliches“ Anwendungsverbot von Glyphosat. Wer die deutsche Umweltpolitik verfolgt, wundert sich sicher nicht über diese Meldung. Die Grünen fordern, die Verwendung von Glyphosat in Deutschland zu stoppen. 

„Neue Debatte um Glyphosat“, Deutschlandfunk, 15.8.2018

Bayer AG und Syngenta legen Berufung beim Europäischen Gerichtshof ein, um Verbote dreier Neonikotinoide wieder aufzuheben.

© Paul Bock

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