Glyphosat verstärkt Artenschwund in Flora und Fauna

Wie eine Seuche vergiftet Glyphosat alles Leben

Unzählige Fälle zeigen, dass das Pflanzengift Glyphosat den Artenschwund in Flora und Fauna verstärken. Denn als sogenanntes Breitbandherbizid löscht es alles pflanzliche Leben aus, wenn noch keine Glyphosat-Resistenz besteht. Unkräuter und Käfer, Mücken, Spinnen, Grillen und Regenwürmer werden auf diese Weise systematisch abgetötet. Da das Pflanzenschutzmittel nahezu auf allen Feldern Einsatz findet, verteilt es sich auf jedem Quadratzentimeter. Egal, ob auf Getreide-, Raps- oder Maisfeldern, im Wein-, Hopfen- oder Gemüseanbau oder in der Holzwirtschaft: das Gift wird überall versprüht. Wie eine Seuche vergiftet es alles Leben.

Wildbiene -R_B by luise - pixelio.de
Wildbiene -R_B by luise – pixelio.de

Passgenaue Herbizide zerstören enge ökologische Verflechtungen

Auf ihren Websiten und Broschüren versprechen Monsanto und andere Hersteller, wie zum Beispiel Dow AgroSciences, ihren Anwendern unkrautfreie Felder. Sie lösen ihre Versprechen ein, denn für jede Kulturpflanze und Anbaumethode bieten sie passende Produkte an.

Zum Beispiel wirbt das Unternehmen Dow AgroSciences auf seiner Website für den Rapsanbau im folgenden Wortlaut: „Dow AgroSciences bietet flexibel einsetzbare Lösungen gegen Unkräuter und Ungräser einschließlich Resistenzmanagement.“ Damit gelangen Glyphosat und weitere Pflanzengifte in unzählige ökologische Kreisläufe. Diese verlieren dauerhaft ihr Gleichgewicht und haben kaum Chancen zur Wiederherstellung, weil die Gifte sich monatelang halten und regelmäßig aufgebracht werden. Eine weltweit angewandte Methode, die Landwirte natürlich sehr begrüßen, aber dem Gemeinwohl völlig widerspricht. Wie zahlreiche Beispiele auf der ganzen Welt belegen, bedrohen Glyphosat und weitere Herbizide aber auch die menschliche Gesundheit nachhaltig. Nimmt man die Wirkungsweise von Glyphosat genau unter die Lupe, zeigen sich bei Mensch, Tier und Pflanze sehr ähnliche Krankheitsbilder.

Kleeblüte © Paul Bock
Kleeblüte © Paul Bock

Abgetötete Wildkräuter und Gräser werfen keine Samen mehr

Wer aufmerksam durch Feld und Flur marschiert, bemerkt, dass Grünstreifen und blühende Feldraine fast vollständig fehlen. Jeder Quadratmeter Ackerboden wird landwirtschaftlich genutzt. Wie mit dem Zollstock abgezirkelte Felder liegen kilometerweit vor uns. Daher haben Wildkräuter, -blumen und Gräser keine oder viel zu wenig Lebensraum und somit keine Chance sich zu vermehren.

Natürlich verkümmern so im Boden alle Wildpflanzensamen, von denen sich Insekten und Vögel ernähren. Pestizideinsätze dünnen die Insektenvielfalt zusätzlich aus. Immer weniger Insekten versuchen, Obstplantagen hinreichend zu bestäuben. Sie suchen sich in Städten, Gemeinden und Siedlungen erträglichere Futterquellen. Daher müssen Insekten und Vögel dort durch Blumeninseln, Grünstreifen und artgerechte Gärten Unterstützung finden.

Ackerrain_r_b_by_luise_pixelio.de
Ackerrain_r_b_by_luise_pixelio.de

Kein Wunder, dass auch die Feldvögel, die vorwiegend im Frühjahr von leckeren Insekten leben, weniger werden. Dann ziehen sie ihre Jungvögel groß. Die Gesamtsituation verschärft sich noch durch gezielte Insektizideinsätze. Gifteinsätze und schwindender Lebensraum auf den Feldern lösen also den fatalen Rückgang der Artenvielfalt in Flora und Fauna also und halten ihn aufrecht. Dabei prüft offenbar niemand mögliche Folgen, wenn der Mensch der Natur künstliche Stoffe zumutet.

Fatale Halbwertszeiten gelten für Böden, Gewässer, Flora und Fauna

Wo Herbizide, Insektizide oder andere Gifte Böden, Flora und Fauna verseuchen, lauern sie erstmal wochen- und monatelang mit fatalen Wirkungen in der freien Natur. Besonders dann, wenn Landwirte sie regelmäßig auf Felder und Wiesen sprühen, so dass sie sich kaum abbauen, ihre Dosen also konstant bleiben oder sich sogar verstärken. Wie bei radioaktiven Elementen sprechen Fachleute auch hier von Halbwertszeiten, also von Zeitspannen, innerhalb derer sich die Hälfte der Ausgangsmenge jeweils verflüchtigt. Giftmenge und dessen Wirkungen sinken daher nie auf tatsächliche Nullwerte. Bei Glyphosat liegen diese durchschnittllich zwischen drei und 250 Tagen.

Wie Untersuchungen belegen, bestimmen nicht nur Bodenart und Säuregehalt, sondern auch die wirksamen Temperaturen die Dauer des Glyphosatabbaus. So werden bei trockenem Wetter Herbizidwolken in die Umgebung geweht, bei feuchtem Wetter in Böden und Gewässer ausgeschwemmt. Die Gifte gehen also nie verloren.

Getreide copyright Paul Bock
Getreide copyright Paul Bock

Wie der BUND in seiner Broschüre „Glyphosat und Glyphosat-resistente Pflanzen“ schreibt, liegen bei Abbauprodukten des Herbizids die Halbwertszeiten in Wirklichkeit  noch viel höher. So erreicht zum Beispiel AMPA (Aminomethyl-Phosphonsäure), das auch die Zellteilung nachhaltig beeinflusst, Zeiten bis zu 875 Tage. Das heißt, auch nach maximaler Halbwertzeit verpestet der Stoff Natur und Umwelt noch länger. Natürlich hält die Wirkung auf Menschen und Tiere ebenso lange an.

So wirkt Glyphosat auf Pflanzen

Über Stängel und Blätter nehmen Pflanzen das Herbizid auf, wo es in kurzer Zeit tödlich wirkt. Nur herbizidresistente Pflanzen leben und blühen weiter, entwickeln schließlich ihre Früchte bis zur Reife. Sogenannte Unkräuter und Gräser würden Erntequalität und -menge mindern.

Kornblume © Paul Bock
Kornblume © Paul Bock

Aber Glyphosat greift auch Kulturpflanzen an, nämlich über Pilze, die die Pflanzenentwicklung fördern. Allerdings begünstigt das Herbizid ebenfalls vermehrtes Wachstum schädlicher Pilze und beeinträchtigt Funktionen im Wurzelsystem. Kulturpflanzen nehmen dann weniger Nährstoffe auf. In der Folge müssen Landwirte mehr Dünger aufbringen.

Unkräuter, die auf Äckern dominieren, passen sich mit der Zeit an Glyphosat und andere Herbizide an. Fachleute sprechen dabei von Resistenzen. Um Wirkungen der Mittel mindestens konstant zu halten, entwickeln Hersteller fortwährend neue Wirkstoffe und Mischungen. Diese natürliche Anpassungseigenschaft in der Welt der Fauna bereitet Monsanto, der Bayer AG und anderen Unternehmen hohe Kosten für Entwicklung und Studien. Auch resistentes Saatgut müssen sie für das jeweils neue Herbizid finden und testen. Auf diese Weise steigen Herbizideinsätze in Natur und Umwelt.

Golddistel_R_K_by_angieconscious_pixelio.de
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Zusatzstoffe und Abbauprodukte erhöhen Artenschwund zusätzlich

Oft enthält Glyphosat das Netzmittel Tallowamin (polyethoxyliertes Tallowamin: POEA). Es verbessert das Zusammenspiel zwischen Pflanzen und Herbiziden, so dass Zellen die Gifte leichter aufnehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um pflanzliche, tierische oder menschliche Zellen handelt. Die Herbizidwirkung wird damit also effizienter, die Giftigkeit von Glyphosat nochmal erhöht. Wie Quellen berichten, hat die Europäische Union bereits ab 2016 Glyphosatmischungen mit POE-Tallowaminen verboten. Als direkte Folge des Herbizideinsatzes wird der Artenschwund auch durch die sehr lange Halbwertszeit des Glyphosat-Abbauprodukts AMPA (Aminomethyl-Phosphonsäure) potenziert.

Artenschwund bei aquatischen Lebewesen, Spinnen, Insekten, Vögeln und Kleinsäugern

Medizinische und biologische Untersuchungen lassen sich an Tieren leichter durchführen als an Pflanzen. Daher sind Erkrankungen im Tierreich durch Glyphosat sehr offenkundig. Im Prinzip greift das Herbizid in die gleichen Körperbereiche ein wie beim Menschen. Das Gift schädigt den Hormonhaushalt ebenso wie das Immunsystem, so dass die körpereigene Biochemie zusammenbricht und gleichzeitig das natürliche Widerstandssystem streikt.

Wolfsspinne__r_b_by_luise_pixelio-de
Wolfsspinne__r_b_by_luise_pixelio-de

Da sich Vögel von Insekten ernähren, die – wie bereits erwähnt – durch Herbizide stark ausgedünnt werden, schwinden auch Vogelarten. Spinnen jagen auf den Feldern, spannen dort ihre Netze, gehen auf Beutefang. Glyphosat vergiftet nicht nur ihre Beute, also Fliegen, Mücken und Motten, es verseucht auch ihre Lebensräume. Daher geht die Zahl der Spinnenpopulationen genauso stark zurück wie die der Schmetterlinge.

Aber Glyphosat bleibt auch auf dem Ackerboden haften, dringt dauerhaft in Erdkrumen ein und schädigt daher Tiere in Bodennähe und im Bodenreich. Also zum Beispiel Kleinsäuger wie Mäuse und Hamster. Sogenannte aquatische Organismen wie Frösche, Lurche und Fische machen dabei keine Ausnahme. Glyphosat belastet ihre empfindlichen Körper nachhaltig, führt zu den oben erwähnten Erkrankungen , darüberhinaus zu Krebsgeschwüren, Missbildungen und schließlich zum Tod. Zahlreichen Faunaarten gibt Glyphosat damit den letzten Todesstoß. Denn zum Beispiel stehen 66% aller Amphibien in Deutschland bereits heute auf der roten Liste.

blühende Kartoffelpflanze R_K_B by M.Großmann_pixelio.de
blühende Kartoffelpflanze R_K_B by M.Großmann_pixelio.de

Weitere Infos zum Thema für Sie:

„Gift im Acker – Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?“, YouTube-Video von wocomoDOCS, Dauer: 43:06 Min.

„Fragen und Fakten zu Glyphosat“, der Naturschutzbund (NABU) informiert Sie zum Thema, 6-seitiges pdf-Dok. zum Lesen, Speichern, Ausdrucken

„Hochgiftige Chemie auf dem Kartoffelacker“, Marktcheck

„Fakten zu Roundup und Glyphosat“, Dossier des Informationsdienstes Gentechnik

„Glyphosat: Pflanzengift im Essen nachgewiesen“, NDR.de, Marktqueck

„Svenja Schulze drängt auf schnellen Glyphosat-Ausstieg“, RP. ONLINE

 

© Paul Bock

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