Klimawandel lockt exotische Mücken und Zecken nach Deutschland

Der Klimawandel ändert global und regional Lebensräume. Unzählige Individuen passen sich den neuen Gegebenheiten allmählich an. Bereits 2015 hat das Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ) in einer Pressemitteilung festgestellt, dass verschiedene Tier- und Pflanzenarten ihre Einzugsgebiete ändern. Dazu zählen in erster Linie Vögel, Schmetterlinge und Käfer. So eroberten zum Beispiel Schwarzhalstaucher neue Lebensräume am Bodensee, während sich Uferschwalben offenbar zurückzogen. Augenscheinlich folgen vornehmlich flugtaugliche Organismen klimatischen Veränderungen.

Sperlingstrio R_K_B by uschi dreiucker_pixelio.de
Sperlingstrio R_K_B by uschi dreiucker_pixelio.de

Amseln, Drosseln, Finken und Stare passen sich Klimawandel an

Obwohl sich die meisten Vogelarten nur im Sommer in Deutschland aufhalten (sogenannte Sommervögel), haben einige bekannte Spezies ihr Zugverhalten dem Klimawechsel angepasst. Da zum Beispiel für Finken, Drosseln, Amseln und Stare bei uns der Tisch auch während der Wintermonate reichhaltig gedeckt bleibt, ziehen sie nicht mehr in wärmere, südliche Regionen, sondern überwintern bei uns. Zunehmend mildes Wetter bietet ihnen dann auch in Deutschland gute Überlebenschancen. Ohne kräftezehrenden Flugaufwand behalten sie bessere körperliche Kondition für die nächste Saison.

Klimawandel und globale Welt als Sprungbrett invasiver Arten

Kein Wunder, dass Mücken aus wärmeren Regionen sich inzwischen in Deutschland auch wohlfühlen und ganzjährig aufhalten. Wie Untersuchungen des Friedrich-Löffler-Instituts bereits 2015 erwiesen, überwintern sogar exotische Mücken wie die Asiatische Tigermücke bei uns. Ursprünglich stammt diese Spezies aus Südostasien, hat sich aber auch schon in Nord- und Südamerika sowie in Europa ausgebreitet. Auch in zahlreichen Regionen Deutschlands lebt sie heute bereits voll integriert. Sie gilt als Klimazuzügler. Da sie ernsthafte Infektionserkrankungen übertragen kann, warnen Fachleute vor ihr. Beim Stich können Erreger des Dengue- und Chikungunyafiebers in die Blutbahn geraten.

Flugzeug vor Sonnenuntergang © Magann / www.pixelio.de
Flugzeug vor Sonnenuntergang © Magann / http://www.pixelio.de

Auch die eng mit der Asiatischen Tigermücke verwandte Asiatische oder japanische Buschmücke hat in Deutschland neue Lebensräume gefunden. Bereits 2012 berichtete SPIEGEL ONLINE über die Asiatische Buschmücke. Sie stammt ursprünglich aus Japan, Südchina und Korea, hat sich aber ungefähr seit 2000 auch in Europa breitgemacht. Wer von ihr gestochen wird, kann zum Beispiel Erreger des Westnil- und Chikungunyafiebers aufnehmen und läuft Gefahr, zu sterben. Die Erkrankung verzeichnet aktuell wieder neue Todesfälle. Außerdem zeigt die Infektionskrankheit weitere Folgen, wie Hirnhautentzündung und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die auch durch einen Zeckenbiss übertragen werden kann. Die genannten Virus-Arten gehören zur Gattung der Flaviviren und lösen vorwiegend fiebrige Erkrankungen bei Mensch und Tier aus.

Markthalle_R_by_Beate Spreen_pixelio.de
Markthalle_R_by_Beate Spreen_pixelio.de

Vögel und Säugetiere importieren Mücken und Viren über Tausende Kilometer

Dazu kommen globale Verflechtungen. Täglich liefern Schiffe, Flugzeuge und Lastkraftwagen tonnenweise Güter aus fernen Ländern nach Deutschland. Exotische Früchte und Pflanzen stapeln sich in Märkten und Großmarkthallen. Dabei gelangen fortwährend unbemerkt Insekten und Spinnen aus wärmeren Gebieten zu uns.

Mücke_R_K_by_Lutz Haberecht_pixelio.de
Mücke_R_K_by_Lutz Haberecht_pixelio.de

Auch sogenannte Schmetterlingsmücken gehören dazu. Die am weitesten verbreitete Schmetterlingsmücke ist die Sandmücke. Beinahe 700 Arten leben weltweit. Allerdings bevorzugt sie südliche, ganzjährig wärmere Gebiete und zeigt sich nördlich der Alpen seltener. Schon 2014 wurden erste Exemplare bei uns nachgewiesen. Bleiben in Deutschland die Durchschnittstemperaturen über zehn Grad Celsius wird sie wohl langfristig anzutreffen sein.

Beim Blutsaugen überträgt das Weibchen gefährliche Einzeller (sogenannte Leishmanien), die in den menschlichen oder tierischen Blutkreislauf geraten und sich im Organismus dauerhaft einnisten. Das führt zu einer ernsthaften Virusinfektion, der Leishmaniose. Überträgt die Mücke hingegen Bakterien, die in den Blutkreislauf gelangen, können Menschen am Oroya-Fieber oder an Peruwarzen erkranken.

Mücke Nahaufnahme_R_K_by_Frank Hollenbach_pixelio.de
Mücke Nahaufnahme_R_K_by_Frank Hollenbach_pixelio.de

Nun auch exotische Zecken in Deutschland

Dass nun auch zwei Arten exotischer Zecken in Deutschland vorkommen, wundert vor diesem Hintergrund wohl nur wenige. Denn schon seit Jahren locken Klimaänderungen fremde Arten zu uns. Wissenschaftler der Universität Hohenheim und Mitarbeiter des Münchner Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) vermuten, dass die heisse trockene Witterung ihnen optimale Lebensbedingungen bietet.

In 2018 entdeckten Tierhalter bisher bereits sieben Exemplare der exotischen Zeckengattung Hyalomma in Deutschland. Gemeinhin leben sie in südeuropäischen Ländern, auf dem afrikanischen Kontinent und in Asien. Wahrscheinlich schleppten Vögel sie ein, denn ihre Fundorte liegen räumlich getrennt in Niedersachsen und Hessen. Allerdings bleibt die wichtige Frage, ob sich die aufgefundenen Zecken schon länger in Deutschland aufhalten oder erst im Zuge extremer Witterungsvoraussetzungen eingewandert sind. Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin und Zeckenexpertin an der Universität Hohenheim, sieht in der jüngsten Entwicklung ernste Gefahren: „Diese Zeckenarten könnten in Deutschland Einzug halten“. Denn der zunehmende Klimawandel lockt sie zu uns. Die Wissenschaftlerin geht jedoch davon aus, dass die Zeckengattung schon heute in vielen Gebieten Deutschlands vorkommt.

Hyalomma-Zecke: bis zu zwei Zentimeter groß mit gestreiften Beinen

Im Vergleich zum Gemeinen Holzbock, der bei uns dominierenden Zeckenart, erreichen Hyalomma-Zecken eine Größe bis zu zwei Zentimetern. Sie zeichnen sich durch gestreifte Beine aus. Wie alle Spinnentiere besitzen sie acht Beine und bewegen sich daher sehr flink. Um zu überleben und ihre Brut zu ernähren, stechen sie Mensch und Tier und saugen Blut. Dabei pumpen sie Bestandteile, die sie nicht brauchen, in den Blutkreislauf des Wirts zurück. So geraten gefährliche Erreger in Mensch oder Tier, die  zu Infektionen führen. Bei einem der sieben gefundenen Exemplaren entdeckten Biologen ein Bakterium, das das Zecken-Fleckfieber überträgt. Wer daran erkrankt, leidet unter Fieber und Hautveränderungen.

Krim-Kongo-Fieber oder Fleckfieber nach Schildzecken-Biss

Hyalomma-Zecken und der Gemeine Holzbock gehören zur Gattung der Schildzecken, von denen bisher 27 Arten klassifiziert wurden. Nach Bissen dieser Zeckengattung erkranken unzählige Menschen am Krim-Kongo-Fieber oder am Fleckfieber. Denn wie Gemeine Holzböcke und Mücken können auch sie beim Blutsaugen gefährliche Erreger übertragen. Nach dem heutigen Stand wissenschaftlicher Erhebungen tragen Hyalomma-Zecken allerdings keine Viren in sich, die zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen. Dagegen können sowohl Hyalomma- als auch Gemeine Holzböcke durch Bakterien Borreliose-Infektionen auslösen.

 

Weiterführende Links für Sie:

Asiatische Tigermücke auf Dauer im Süden Deutschlands?

ZENTRUM FÜR REISEMEDIZIN informiert Sie über das Dengue-Fieber

„Dengue-Fieber – Ein kleiner Stich mit großem Risiko“, ARD Mittagsmagazin 4/2014, YouTube-Video, Dauer: 2:36 Min. EMPFEHLENSWERT!

„Globalisierung und Klimawandel kennen keine Grenzen – wenn Mücken auf Wanderschaft gehen“

„Die japanische Buschmücke“, Video des WDR/SWR aus der Reihe „Planet Wissen“ vom 18.5.2017, Dauer: 11:08 Min. Hier erfahren Sie auch, in welchen Regionen Deutschlands exotische Mücken leben. EMPFEHLENSWERT!

Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ)

Hier geht´s zum deutschen „Mückenatlas“: Er zeigt Ihnen, wo in Deutschland welche Mückenarten leben. Weitere Infos dazu bieten Ihnen BR WISSEN und der Deutschlandfunk.

„Zeckenratgeber“, inFranken.de informiert Sie über die gefährlichen Spinnentiere

„Welt der Winzlinge – Zecken“, SWR/NDR – Video aus der Reihe planet schule; Dauer: 30 Min.; sehr anschaulicher Film zu Paarung, Eiablage, Infektionen und mehr; EMPFEHLENSWERT!

Pressemitteilung der Universität Hohenheim zu tropischen Zecken EMPFEHLENSWERT!

„Tropenzecke – Wie gefährlich ist Hyalomma?“, Visite, NDR-Ratgeber, Video aus YouTube, Dauer: 5:06 Min., mit Interview von Prof. Dr. Ute Mackenstedt; EMPFEHLENSWERT!

„Die gefährlichsten Zeckenarten der Reihe nach“, mit Zeckenratgeber EMPFEHLENSWERT!

© Paul Bock

6 Kommentare zu „Klimawandel lockt exotische Mücken und Zecken nach Deutschland

    1. Hallo lieber Lu,

      herzlichen Dank für Deine gute Bewertung meines Beitrags.
      Ja, ein ernstes, heikles Thema, das uns alle angeht. Wenn wir viel darüber wissen, schützen wir unsere Gesundheit. Ich überlege nun selbst, ob ich mir im Wald ein paar Steinpilze sammle. Aber wenn man sich dabei aufmerksam verhält, entdeckt man Zecken rechtzeitig.

      Dir weiterhin gute Gesundheit und fröhliche Stunden vom Paul 😉

      Gefällt 1 Person

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