Studie belegt Schäden durch Glyphosat in Argentinien

Wer sich über das Thema Glyphosat informiert, findet im oekobeobachter viele Infos mit reichhaltigen Details. In Einzelbeiträgen habe ich versucht, das spannende Themenspektrum für Sie genau zu durchleuchten. Nach dem spektakulären Urteil gegen Monsanto, das das Krebsrisiko von Glyphosat aktenkundig machte, gerät das Thema zunehmend in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Daher möchte ich Sie natürlich dazu auf dem Laufenden halten.

8.700 Geschädigte erheben Klage gegen Monsanto

Nach dem aktuellen Stand vom 6.9.2018 haben inzwischen schon mehr als 8.700 Geschädigte Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Die zu erwartende Gesamtforderung an den Konzern dürfte sich auf ungefähr sieben Milliarden Euro beziffern. Außerdem ziehen immer mehr Aktionäre ihr Kapital aus der börsennotierten Bayer AG zurück. Wie bekannt, hat die Bayer AG erst vor kurzem das amerikanische Unternehmen Monsanto als Tochter für 63 Milliarden Dollar übernommen.

Wildbiene -R_B by luise - pixelio.de
Wildbiene -R_B by luise – pixelio.de

Wie Medien berichten, hat der Konzern keine Rückstellungen für die bevorstehenden Gerichtsverfahren und zu erwartenden millionenschweren Entschädigungen zurückgelegt. In seinem aktuellen Wirtschaftsteil schreibt ntv, auch das Herbizid Dicamba beschert Bayer wohl noch zusätzlichen Druck. Noch fährt Bayer damit auf dem nordamerikanischen Markt gute Umsätze ein. Doch zwei unabhängige Saatguthersteller, deren Produkte auf Dicambo abgestimmt sind, streben nun ein gerichtliches Dicambo-Verbot in Nordamerika an.

Das Eis wird also nicht nur dünn, es knackt schon unter der Bayer AG. Wie eine gierige Krake schluckte Bayer das amerikanische Unternehmen Monsanto und stieß deshalb sogar andere Sparten an BASF ab. Verschluckt sich Bayer nun an dem Deal?

Um Bayer & Co. beizukommen, bleiben wohl vor allem Geldforderungen, Kapitalengpässe und nachhaltiger Imageverlust der beste Weg. Denn diese Sprache verstehen ihre Vorstände sehr gut.

Abwärtstrend - copyright fotoART by Thommy Weiss - pixelio.de
Abwärtstrend – copyright fotoART by Thommy Weiss – pixelio.de

Südamerika hängt am Glyphosat-Tropf

Südamerikanische Staaten produzieren für den Weltmarkt zig-tonnenweise Mais, Getreide, Baumwolle, Sojabohnen und weitere Gemüsesorten. Um Erträge sicherzustellen und zu steigern, sprühen Farmer und landwirtschaftliche Genossenschaften das Gift meist flächendeckend. Um die Wirkung zu potenzieren, verwenden Bauern artgerechtes Saatgut, das gentechnisch manipuliert auf den Markt kommt.

Daher haben sich zum Beispiel brasilianische und argentinische Farmer in den letzten Jahrzehnten zu Top-Glyphosat-Kunden gemausert. Noch leben sie in der Überzeugung, dass ihre Ernten ohne Pflanzengifte wenig Erfolg auf dem Weltmarkt einbrächten. Vielleicht bekehren sie sich zukünftig eines Besseren, wenn sie mehr und mehr erkennen, das das Herbizid ihre und die Gesundheit ihrer Familie ruiniert.

Arztpraxis_R_B_by_Thommy Weiss_pixelio.de
Arztpraxis_R_B_by_Thommy Weiss_pixelio.de

Über die Situationen vor Ort habe ich Sie bereits in mehreren Beiträgen informiert. Wenn Sie sie verpasst haben oder Details nochmal nachlesen möchten, finden Sie die Links dazu am Ende dieses Beitrags.

In Brasilien erhebt sich Widerstand gegen Glyphosat

Inzwischen regt sich aber dort deutlicher Widerstand gegen die Anwendung von Glyphosat. Unzählige Menschen, die auf brasilianischen und argentinischen Feldern ihre schwere Arbeit verrichten, leiden an den Folgen des Pflanzengiftes. Bereits in den vergangenen Jahren demonstrierten Betroffene gegen Monsanto auf den Straßen.

So hat ein brasilianisches Bundesgericht Anfang August 2018 sowohl Verkauf als auch Verwendung glyphosathaltiger Produkte aus den genannten Gründen zunächst bis zu einer endgültigen Entscheidung verboten.

Regierung und Agrarverbände kippen Gerichtsentscheid

Wie die Nachrichtenagentur Reuters allerdings aktuell berichtet, habe die brasilianische Regierung gegen das vorläufige Urteil Berufung eingelegt, so dass Glyphosat-Produkte dort auch weiterhin zum Einsatz kommen. Ein Verzicht auf das Herbizid käme einer „Katastrophe“ für die brasilianische Landwirtschaft gleich. Natürlich haben sich auch Agrarlobbyisten und -verbände für Glyphosat starkgemacht. Denn nach ihrer Ansicht hängen ihre Erträge maßgeblich vom Herbizid- und Saatguteinsatz ab.

Justitia_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de
Justitia_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de

So peilt Brasilien in den nächsten zehn Jahren deutliche landwirtschaftliche Produktionssteigerungen an: die globalen Maisexporte sollen bis 2028 um 34% steigen, die Soja-Ausfuhren sogar um 38%. Hohe Deviseneinnahmen, die Brasilien braucht.

Glyphosat sichert Argentiniens Agrarumsätze

Als riesiges Agrarland produziert Argentinien in genveränderten Monokulturen jährlich 53 Millionen Tonnen Soja. Damit nimmt es im weltweiten Rating den dritten Platz ein. Soja wird weltweit exportiert, auch als Futtermittel nach Europa. Bereits seit den  siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts werden die argentinischen Felder mit Glyphosat behandelt. Um die weiten Anbauflächen hinreichend mit dem Mittel zu benetzen, fliegen Sprühflugzeuge in regelmäßigem Turnus darüber hinweg. Wind und Wetter verteilen das Herbizid dabei natürlich auch über Gebiete ohne Pflanzungen oder sogar Wohngebiete. So verseucht das Gift Flora, Fauna und Menschen. Sie erkranken nachhaltig und ernsthaft.

Da das Herbizid mehrere hundert Tage benötigt, bis seine ausgebrachte Menge sich wenigstens zur Hälfte verflüchtigt (sogenannte Halbwertszeit), verpestet es Umwelt, Mensch, Tier und Fauna über unabsehbare Zeiträume. Je nach Wind, Wetter, Temperaturen und Bodenbeschaffenheit schwanken dabei die örtlichen Halbwertszeiten.

Rapsfelder_R_K_by_Andreas Hermsdorf_pixelio.de
Rapsfelder_R_K_by_Andreas Hermsdorf_pixelio.de

Nicht zu vergessen bleibt die Tatsache, dass immer Restbestandteile des Giftes zurückbleiben und sich diese zu den Mengen addieren, die neu ausgesprüht werden. So reichern sich natürlich landesweit Dosen an, die von Wind, Wetter und in ökologischen Vernetzungen verteilt werden. Je länger die genannten Missstände andauern, umso nachhaltiger wiegen die Schäden. Das zeigt nun eine aktuelle Studie vor Ort schwarz auf weiß.

Studie vor Ort belegt Glyphosat-Schäden schwarz auf weiß

Seit 1996 bauen argentinische Farmer genveränderte Sojapflanzen an. Dem Einsatz von Glyphosat steht damit nichts entgegen, denn genmanipuliertes Soja ist immun gegen das Herbizid. Alle anderen Keime sterben damit ab. Diese Anbaumethoden bescherten Bauern und Genossenschaften alljährlich steigende Umsätze, so dass die betroffenen Anwender wie ein Fanclub dahinter stehen. Allmählich aber dreht sich der Wind, denn unzählige Menschen erkranken, die in landwirtschaftlichen Gebieten leben oder dort arbeiten. Eine aktuelle Studie, die Daten der letzten 20 Jahre gesammelt und ausgewertet hat, legt erschreckende Tatsachen offen.

Studie bringt Klarheit copyright Bernd Kasper pixelio.de
Studie bringt Klarheit copyright Bernd Kasper pixelio.de

Die Daten zeigen deutlich, dass Zahl und Schwere von Erkrankungen zugenommen haben, seitdem das Gift zum Einsatz kam. Die Studiendaten setzen sich aus genauen Fakten der Gesundheitszustände und Krankenakten von 150.000 argentinischen Bürgern und -innen zusammen. Sie vergleichen landesweite Daten mit denen glyphosatbelasteter Regionen. So sterben in herbizidvergifteten Gebieten die meisten Menschen an Krebs und nicht – wie im Landesdurchschnitt – an Herzkreislauferkrankungen. Tatsächlich aber belastet das Gift Böden, Bäche und Flüsse im ganzen Land. Das zeigen gezielte Messungen.

Menschen leiden unter todernsten Krankheiten

Wie die Studienauswertungen des Medizin-Professors Damian Verzeñassi zeigen, bekommen Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten oder im Einzugsbereich leben, viel öfter Schilddrüsen- und Atemwegserkrankungen. Leider übersteigt dort auch die Zahl an Fehlgeburten deutlich den landesweiten Durchschnitt.

Der 100%ig beweisbare Zusammenhang zwischen Glyphosateinsatz und chronischen Krankheiten liegt leider noch nicht unbestreitbar auf der Hand. Die Auswertung der Studie weist aber wie eine Kompassnadel deutlich darauf hin.

Glyphosat in Deutschland noch bis 2021?

Natürlich setzen auch deutsche Landwirte das Herbizid ein. Aber die dargestellten Folgen für ökologische Systeme und Menschen haben inzwischen Bedenken bei bundesdeutschen Politikern angestoßen. Wie zum Beispiel Reuters berichtet, werde das Bundesumweltministerium ab 2021 die Verwendung des Gifts nicht mehr zulassen. Im Sinne bürgerlicher Gesundheit wäre natürlich ein sofortiger Ausstieg viel wünschenswerter. Auch topagraronline schreibt, dass Bundesumweltministerin Svenja Schulze kurzfristig Glyphosateinsätze verbieten möchte. Das bedeutet aber noch drei lange Jahre fortschreitende Naturvergiftung.

Weitere Infos zum Thema für Sie:

Artikel zur Langzeitstudie von Professor DamianVerzeñassi in Argentinien, 

Deutschlandfunk

„Rio Paraná in Argentinien mit Glyphosat verseucht“,

aus amerika21

„Argentinien: Neue Gegner des Glyphosat“,

ARTE Reportage, Video auf YouTube, Dauer 24:38 Min.; Farmer kehren Glyphosat den Rücken; SEHR EMPFEHLENSWERT!

„Chronisch vergiftet Monsanto und Glyphosat“

ARTE Doku auf YouTube, Dauer 1 Std. 11 Min.; SEHR EMPFEHLENSWERT!

„Pestizideinsätze und Menschengesundheit in Argentinien“

Pdf-Dokument zum Lesen, Ausdrucken und Herunterladen, Autor: Dr. Medardo Avila Vazquez; 41 Seiten;

„Giftregen in Argentinien: Neue Langzeitstudie belegt Glyphosat in Regenwasser“

Epoch Times

Glyphosatbelastete Lebensmittel in Deutschland

utopia.de, aus dem ARD-Verbrauchermagazin Markt, SEHR EMPFEHLENSWERT!

Meine bisher veröffentlichten Beiträge zum Thema Glyphosat:

„Glyphosat – tödliche Chemiekeule gegen Unkräuter“

„Krebs, Erbgutschäden und Missbildungen durch Pflanzengift Glyphosat“

„Glyphosat verstärkt Artenschwund in Flora und Fauna“

„Kein Pardon für Monsanto“

© Paul Bock

 

2 Kommentare zu „Studie belegt Schäden durch Glyphosat in Argentinien

    1. Hallo Dario,
      herzlichen Dank für Deine positive Bewertung meines letzten Beitrags. Das freut mich immer.

      Leider überschlagen sich die neuesten Nachrichten zu aktuellen Themen manchmal so schnell, dass ich mit meinen Beiträgen dazu gar nicht mehr mitkomme. So füllt sich auch der Quellenordner zum Thema Glyphosat beinahe täglich. Daher liegt wohl auch der von Dir angesprochene Artikel aus Spiegel Online schon bei mir im Ordner.

      Dir weiterhin frohes Schaffen!
      VG vom Paul 😉

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