Urteil gegen Monsanto teilweise revidiert

August 2018: Monsanto zu 289 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt

Im August 2018 verurteilte ein nordamerikanisches Geschworenengericht das Bayer-Tochterunternehmen Monsanto zu 289 Millionen Dollar Schadenersatz. Geklagt hatte Dewayne Johnson, der bei seiner Arbeit als Parkwächter regelmäßig in Kontakt mit dem Pflanzenschutzmittel Roundup gekommen war. Das weltweit verwendete Mittel enthält den Wirkstoff Glyphosat. Dewayne Johnson erkrankte deshalb an Blutzellkrebs, einer aggressiven Krebsart des Lymphgewebes. Er wird wohl nicht mehr länger als zwei Jahre leben, wie The Guardian schreibt.

Krankenzimmer_R_K_B_by_by-sassi_pixelio.de
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Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Glyphosat ursächlich für seine Erkrankung schuld sei. Zu diesem Zeitpunkt sah das Gericht auch den Tatbestand der arglistigen Täuschung als erfüllt. Denn nach Ansicht des Klägers hatte ihn der Glyphosat-Hersteller nur unzureichend auf gesundheitliche Risiken im Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel hingewiesen. Mehr Details dazu lesen Sie im Guardian vom 11. August 2018. Nach Angaben der tagesschau und der Süddeutschen Zeitung setzte sich die Entschädigung aus zwei Komponenten zusammen: ungefähr 250 Millionen Dollar Schmerzensgeld und 39 Millionen Entschädigungssumme. Natürlich drohte Monsanto damit, das bahnbrechende Urteil anzufechten.

Monsanto fechtet Urteil an – Richterspruch nun teilweise revidiert

Die Bayer AG wollte diese Niederlage und den damit verbundenen Imageverlust natürlich nicht akzeptieren. Immerhin lag auch der Vorwurf der Heimtücke auf dem Tisch. Daher stellte das Unternehmen beim Gericht einen Antrag, das Verfahren der ersten Instanz neu aufzurollen. Die Anwälte des Pharmakonzerns argumentierten, dass die Beweise für arglistige Täuschung und Heimtücke nicht hinreichend vorlägen. Der Oberste Gerichtshof in San Francisco wies diesen Antrag allerdings zurück und entschied, die Entschädigungssumme zu reduzieren.

Paragrafenzeichen_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de
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Sie sank um mehr als 200 Millionen auf 78,5 Millionen Dollar. Das ist zwar immer noch eine stolze Summe für ein todkrankes Pharmaopfer, gleichzeitig aber ein Sieg für die Bayer AG und MonsantoThe Guardian fasst die aktuelle Entwicklung in einem Artikel vom 23.10.2018 zusammen. Der Bericht erwähnt auch, mit welchen Tricks die Agroriesen arbeiten.

Dewayne Johnson muss sich nun bis zum 7. Dezember entscheiden, ob er die Entschädigung von 78,5 Millionen Dollar annimmt. Egal, wie sich Johnson entscheidet,  der Herbizidhersteller lässt auch weiterhin nicht locker und hat erneut Berufung angekündigt.

Noch mehr als 8.700 Klagen gegen Monsanto

Wie hier mehrfach berichtet, rollt inzwischen weltweit eine breite Klagewelle auf Monsanto zu. Menschen, die zum Beispiel mit dem Breitbandherbizid Roundup arbeiten und mit dem Wirkstoff Glyphosat in Kontakt kommen, erkranken. Weltweit. Sie formieren und wehren sich. Besonders in Argentinien und Brasilien wächst der Widerstand. Dort wird das Herbizid flächendeckend und regelmäßig eingesetzt.

Gerichtsurteil_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de
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Positive Nachrichten zum Thema Glyphosat

Aber zum Thema Glyphosat gibt es auch postive Meldungen. So plant zum Beispiel die französische Regierung, bis ungefähr 2022 kein Glyphosat mehr in ihrem Land zuzulassen. Auch Tschechien springt vom Glyphosatzug ab: nach Angaben des Agrarministeriums soll das Herbizid ab 1. Januar 2019 nicht mehr flächendeckend und nicht mehr zur Beschleunigung des Reifeprozesses Verwendung finden. Obwohl jeder europäische Staat seine eigene Entscheidung treffen kann, hat die deutsche Bundesregierung bis heute noch keinen festen Standpunkt zum nationalen Glyphosatverbot eingenommen.

Glyphosat verstärkt Artenschwund in Flora und Fauna

 

© Paul Bock

3 Kommentare zu „Urteil gegen Monsanto teilweise revidiert

    1. Hallo Dario, trotzdem gehe ich davon aus, dass Bayer im Endeffekt noch die 79 Millionen zahlen muss. Denn diese Summe hat das Gericht festgesetzt, wenn Johnson sie annimmt. Außerdem hat Bayer nun wohl keine stichhaltigen Argumente mehr. Dir einen guten Freitag vom Paul 😃

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