Ramsar-Konvention schützt weltweit Feuchtgebiete

Jahrestag zum Schutz der Feuchtgebiete am 2. Februar

Im ökologischen Kalender erinnert der 2. Februar an den Jahrestag zum Schutz der Feuchtgebiete. Bereits 1971 haben die Vereinten Nationen (UN) die sogenannte Ramsar-Konvention vereinbart, die sich zum Ziel setzt, weltweit Feuchtgebiete zu schützen.

Feuchtgebiete erfüllen hochwirksame ökologische Aufgaben

Das dominante Thema Klimawandel verdrängt zahlreiche weitere ökologische Problemfelder. Dazu gehören auch die Folgen bedrohter Feuchtgebiete. Denn sie erfüllen ganz wichtige Aufgaben, die im natürlichen Wechselspiel nur fit und gesund reibungslos ineinander greifen.

  • In Feuchtgebieten leben mehr als 40% aller Tier- und Pflanzenarten. Eine bunte Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die dort gedeihen und sich zum Beispiel in Auen, Bächen, Flüssen, Seen und in Mooren tummeln. Diese nährstoffreichen Gebiete dienen Flora und Fauna als lebensnotwendiger Lebensraum, in dem sie sich versorgen, überwintern, fortpflanzen und sich um ihren Nachwuchs kümmern. Hier finden sich Schnecken, Würmer und Schwämme, seltene Gräser und Moose.

Doch allzu oft bedrohen landwirtschaftliche Düngemittel, die in überhöhtem Maße in Feuchtgebiete einspülen, Wasser- und Lebensqualität ihrer Bewohner. Dann greift Sauerstoffmangel um sich, Gewässer „kippen“, verlieren jede Lebenskraft und bringen Lebewesen den sicheren Tod. Außerdem erkranken Fische nachweislich am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die über Regen und Wind in Feuchtgebiete gelangen. Zum Beispiel melden Biologen Krebswucherungen und gestörte Entwicklungsstadien bei Fischen bis hin zur Unfruchtbarkeit.

  • Feuchtgebiete arbeiten als natürliche Wasserspeicher. Ohne Feuchtgebiete wären die Folgen bei Starkregen und Überschwemmungen noch bedeutend schlimmer. Wie bekannt ertrinken jedes Jahr weite Landbereiche, Städte und Verkehrswege im übermäßigen Regenwasser. Erbarmungslos schlägt der Klimawandel zu und zeigt uns in zunehmendem Maße seine Macht. Daher genügt nicht nur der Aufbau geeigneter Dämme in flutbedrohten Zonen, auch natürliche Wasserspeicher, also Feuchtgebiete, müssen beständig gepflegt und ausgeweitet werden. Sie speichern Wasser, wirken aber auch Bodenerosionen entgegen.
  • Feuchtgebiete arbeiten ebenso als Kohlendioxidspeicher und damit für den Klimaschutz. Denn sie binden klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) langfristig. Dabei kommt Mooren eine besondere Bedeutung zu, weil sich dort das agressive Methangas bildet, das den Klimawechsel noch mehr beeinflusst als CO2. Nur wenn also ein Moor erhalten bleibt, dient es in natürlicher Weise dem Klimaschutz und bietet Lebewesen ein sicheres Obdach.
Seeufer_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de
Seeufer_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de

Böden, Atmosphäre, Feuchtgebiete, Meere und Wälder arbeiten als natürliche Kohlenstoffspeicher im Team

Wer die globale Bedeutung von Feuchtgebieten als Kohlenstoffspeicher unterschätzt, mag den Blick fürs Große und Ganze vielleicht verlieren. Tatsache aber bleibt, dass in Zeiten zunehmender Klimafolgen jede Tonne Kohlendioxid, die nicht in die Erdatmospäre gelangt, die Menschheit vor Krankheiten, Hungersnöten, Dürren, Durst und Wetterkatastrophen bewahrt. Immerhin bleiben die tatsächlichen zukünftigen Auswirkungen heute noch weitgehend im Dunkeln. Hochrechnungen und Prognosen schaffen wenig Klarheit und viel Verunsicherung.

Neben Feuchtgebieten speichern auch Böden, die Erdatmosphäre, Meere und Wälder klimaschädliches Kohlendioxid. Dabei zeigen sich die ökologischen Wirkungen zunächst etwas kompliziert, denn schon kleinste Verdrehungen im Gefüge bewirken manchmal weitreichende biologische und chemische Folgen. Wenn Sie sich mit dem Thema näher vertraut machen möchten, empfehle ich Ihnen die folgenden Seiten: „bildungsserver wiki – Kohlenstoff-Konzentration“, „bildungsserver wiki – terrestrischer Kohlenstoffkreislauf“, „Ökosystem Erde“.

 

Uferschnepfe_R_K_B_by_Martin Jäger_pixelio.de
Uferschnepfe_R_K_B_by_Martin Jäger_pixelio.de

Kohlenstoff ist schlichtweg der wichtigste Stoff für Mensch, Flora und Fauna. Ohne Kohlenstoff und dem damit verbundenen Kreislauf bleibt jedes irdische Leben auf der Strecke. Denn ohne Photosynthese entstehen weder Sauerstoff noch Biomasse. Daher müssen alle natürlichen Kohlenstoffspeicher als einzigartige bio-chemische Sicherheitsmechanismen auch gegen den Klimawechsel hundertprozentig aktiviert bleiben.

Als Kohlenstoffschwergewicht bringt unser Globus mehr als 70 Billiarden Tonnen Kohlenstoff auf die Waage (in Zahlen: 75.000.000.000.000.000 Tonnen Kohlenstoff). Die genauen Werte der einzelnen Speicher betragen:

Beinahe 100% dieser Menge binden Gesteine, während davon im Wasser (Meere) ca. 38.000 Milliarden Tonnen, in Böden ungefähr 1.580 Milliarden Tonnen, , in der Atmosphäre ungefähr 820 Milliarden Tonnen und in Lebewesen ca. 800 Milliarden Tonnen vorkommen. Moore halten fast 660 Milliarden Tonnen Kohlenstoff fest. Allerdings schlummern dort und in Permafrostböden (dauerhaft gefrorenen Böden) noch einmal unabsehbare Mengen Methangas, das noch klimaschädlicher als CO2 wirkt, wenn es freigesetzt wird. Grasland 588 Mrd. t und Wälder bringen 588 Mrd Tonnen bzw. 372 Mrd. Tonnen Kohlenstoff auf die Waage. Wie Sie sehen, weist die Atmosphäre im Vergleich kein großes Speichervolumen auf. Trotzdem reagiert sie bei Veränderungen sehr empfindlich. Ein Aspekt, der vor dem Hintergrund anrollender Verkehrs- und Energiewende zu denken gibt.

Ramsar-Konvention bremst Gefahren für Feuchtgebiete aus

Der weltweite Flächenfraß trifft natürlich auch Feuchtgebiete. Sie müssen landwirtschaftlichen Anbauflächen, Industrieanlagen und Wohngebieten. Wo immer Flussläufe, -deltas und Ufersäume moderner Planung zum Opfer fallen, umgeleitet oder stillgelegt werden, wo immer sie trockengelegt werden oder Zonen für Torfabbau erweitert werden, überall dort gehen artenreiche, ökologisch wertvolle Feuchtgebiete zugrunde. Bis heute wurden zum Beispiel ungefähr 95% aller Moore entwässert. Seit ungefähr 1920 hat daher der weltweite Bestand an Feuchtgebieten um 60% abgenommen.  Eine Renaturierung einmal zerstörter Bereiche bleibt langwierig und kostenintensiv. Nur emsige, fachmännische Pflege erhält Feuchtgebiete als effiziente Kohlenstoffspeicher und als zukünftige Kinderstube von Flora und Fauna. Allzu oft leben gerade in Feuchtgebieten seltene bedrohte Arten.

Aktuell stehen weltweit mehr als 170 Vertragsstaaten Schulter an Schulter zusammen, um den Schutz von Feuchtgebieten zu gewährleisten, also von Bächen, Flussmündungen, Küstengebieten, Mangrovenwäldern, Lagunen, Seen, Sümpfen und Wattenmeeren . Darüberhinaus versuchen sie, bereits geschwächte oder zerstörte Zonen wiederherzustellen, also zum Beispiel trockengelegte Zonen zu renaturieren und neue auszuweisen. Vor dem Hintergrund weltweiter begrenzter oder mangelhafter Trinkwasserreservoirs nehmen Feuchtgebiete aller Art einen hohen Stellenwert ein. Denn sie dienen als natürliche, hervorragend gefilterte Trinkwasserspender.

Moor bei Abend_R_K_B_by_roja48_pixelio.de
Moor bei Abend_R_K_B_by_roja48_pixelio.de

2.341 Standorte weltweit schützen aktuell eine Fläche von mehr als 252.000.000 Hektar

Wenn Sie möchten, informieren Sie sich über genaue länderspezifische Details direkt beim „Informationsservice  für Ramsar-Sites“. Dort steht für Sie eine zoombare Weltkarte mit Filterfunktionen nach Kontinenten, Staaten und mehr bereit. Natürlich gibt es auch in Deutschland Gebiete, die unter die Ramsar-Konvention fallen. Ein Paradebeispiel dafür: der Nationalpark Wattenmeer an der Nordsee als größtes Wattenmeer der Welt. Bereist seit 2009 zählt der Park zum UNESCO-Weltnaturerbe. Wie Sie wissen, gewährleisten Nationalparks, dass sich Flora und Fauna völlig ungestört entwickeln.

Dank der Ramsar-Konvention, aktiver Einsätze von WWF-Deutschland und weiterer Umweltverbände blüht im Wattenmeer heute noch ein bunter Artenstrauß:

Seeschwalbe_R_B_by_Michael Blaser_pixelio.de
Seeschwalbe_R_B_by_Michael Blaser_pixelio.de

Trotz fachkundiger Unterstützung sind dort leider keine Raubseeschwalben, Europäische Austern, Störe und Rochen mehr gesichtet worden. Die Gründe des Artenschwunds liegen im Einzelnen im Dunkeln. Allerdings zeichnet der allgegenwärtige Klimawechsel zum großen Teil dafür verantwortlich. Denn das beständige Abschmelzen des Polareises führt besonders bei Flutzeiten zu steigenden Wasserspiegeln im Wattenmeer, so dass in zunehmendem Maße Ufer, Strände, Böden, Dämme und Inseln wegbrechen. Somit geht Lebensraum unwiderbringlich verloren. Auch eine ernste Gefahr für Anwohner, die sich bei Sturmfluten noch verstärkt. Dazu kommen steigende Wassertemperaturen in der Nordsee. Wärmeempfindliche Individuen wandern daher als Klimaflüchtlinge in kühlere Regionen ab.

Weitere Quellen zum Thema finden Sie hier:

Hintergründe zum Thema vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Zur Homepage von ramsar.org

„Handbuch der Ramsar-Konvention, Ein Leitfaden zum Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“, 4. Ausgabe, Pdf-Dokument des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zum Lesen, Ausdrucken, Download und Speichern; EMPFEHLENSWERT! 

WWF Deutschland informiert Sie aktuell zur Ramsar-Konvention

„Die Macht der Moore – Wie die Natur unser Klima schützt“, 29-minütiger Videobeitrag aus planet e, EMPFEHLENSWERT!

Hintergrundinfos zum Thema „Moore und Klimaschutz“ von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) 

„Expedition Moor“, eine tolle Website für Sie, um Ihre Kenntnisse über Moore nach dem Prinzip „Klick Dich schlau“ in vielfacher Hinsicht auszubauen; SEHR EMPFEHLENSWERT!

© Paul Bock

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.