Zeckensaison beginnt

Die Natur erwacht wieder

Sonnenschein, Wärme und blauer Himmel locken uns nach draußen. Vögel zwitschern fröhlich und scharen sich auf Büschen und Bäumen. Die ersten Frühjahrsblüher spitzen über Erdkrumen heraus. Sie suchen Licht und pumpen Energie in Stengel und Blüten. Sie genießen ihr Wachstum als neue Lebenschance. Botanische Regeneration in Reinkultur. Wunderbarer Neubeginn für Flora und Fauna.

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Zecken und Insekten lauern und krabbeln

Bleiben die Temperaturen so frühlingshaft, finden sich wohl auch bald wieder Igel im Garten ein. Dann haben sie den milden Winter heil überstanden. Aber ab ungefähr acht Grad dauerhafter Außentemperatur lauern auch beinahe unsichtbare Gefahren in Gärten und Wäldern, auf Wegen und Wiesen: Zecken. Nach milden Wintern treten sie bereits im Spätfebruar oder Frühmärz auf. Ihre Hauptsaison beginnt im April bis in den Oktober hinein. Zu kalte und zu heisse Tage vertragen sie gar nicht gut. Auch Mücken halten sich in der Regel an diese Zeiträume. Manchmal beissen sich Zecken jetzt schon im Hunde- oder Katzenfell fest und plagen die Tiere.

Gemeine Holzböcke verstecken sich und warten auf Opfer

Die bei uns verbreiteste Zeckenart heißt Gemeiner Holzbock. Zecken lauern im Gras und Laub, im Unterholz und auf Büschen, um sich auf sogenannten „Wirten“ niederzulassen und sie als Blutspender anzuzapfen. Um Opfer auszumachen, nutzen sie das sogenannte Haller-Organ, das sich an den Vorderbeinen befindet und ihnen zuverlässig Umgebungswerte meldet, die mögliche Wirte aussenden. Beobachtungen zufolge wittern sie potentielle Wirte sogar auf Entfernungen von bis zu 15 Metern.

Also zum Beispiel Schweissgeruch und Temperatur. Als Blutspender dienen ihnen Hunde, Katzen, Pferde, Wildtiere, aber auch Menschen. Meldet das Haller-Organ der Zecke, dass zum Beispiel ein Hund unter einem Busch schnüffelt, verlässt sie sofort ihre Warteposition auf dem Ast und lässt sich auf das Opfer fallen. Um zielgerichtet zu landen, bevorzugt sie dabei natürlich keine großen Höhen. Hat sie sich dann im Hundefell festgebissen und das Tier gestochen, saugt sie Blut, mit dem sie zunächst sich selbst versorgt und später ihre Brut.

Riesenbärenklau Nahaufnahme © Paul Bock
Riesenbärenklau Nahaufnahme © Paul Bock

Zecken gehören zu den Spinnentieren

In der biologischen Systematik zählen Zecken zu den Gliederfüßern, wie zum Beispiel Insekten und Spinnentiere. In der Klasse Spinnentiere belegen sie die Unterklasse Milben. Weltweit wurden bisher ungefähr 900 verschiedene Zeckenarten nachgewiesen.

Sie durchlaufen drei Lebenszyklen: Ihre Entwicklung beginnt als sechsbeinige Larve, die bis zu einem halben Millimeter groß wird, und setzt sich dann als achtbeinige Nymphe fort. Nymphen erreichen eine Größe bis zu 1,2 Millimetern größe. Erst sogenannte Adulte sind mit ungefähr 1,2 Millimetern Größe erwachsen und fortpflanzungsfähig. Diese biologischen Veränderungen von Nymphen zu Adulten zeigen deutlich, wie sehr Milben ihre Beine brauchen. Denn – wie oben bereits erwähnt – befindet sich zum Einen das sogenannte Hallersche Organ an ihren Beinen, und zum Anderen finden sie so leichter sicheren Halt in Lauerpositionen und auf ihren Opfern.

Zecken leben zurückgezogen und kommen bis zu 3 Jahre ohne Nahrung aus

Sie brauchen regelmäßig frisches Blut zur eigenen Ernährung. Erst dann bleibt auch die Versorgung der nächsten Generation gesichert. Hat sich zum Beispiel eine weibliche Zecke erfolgreich an einem Opfer festgebissen und Blut gesogen, wächst der Körperleib des Tieres auf eine Größe von bis zu 13 Millimetern an.

Eiskristalle auf Zweig © Paul Bock
Eiskristalle auf Zweig © Paul Bock

In kalten Wintermonaten halten Zecken Winterruhe, das heißt, sie erleben zwischendurch immer wieder kurze Wachphasen. Denn anders als beim Winterschlaf sinkt ihre Körperkerntemperatur nicht ab. Winterschlaf halten zum Beispiel Igel. Im Zuge des Klimawandels erleben wir inzwischen immer öfter milde Wintermonate, so dass dann auch Zecken, die sich zur Winterruhe begeben, häufiger aktiv bleiben. Natürlich setzt ein kalter Winter einer Zeckenpopulation manchmal auch derart zu, dass ein Teil unter Eis und Schnee nicht überlebt.

Da bewegte Bilder noch mehr Informationen weitergeben, biete ich Ihnen im Folgenden ein 27-minütiges Video zum Thema Zecken an. Es behandelt anschaulich Paarung, Fortpflanzung, Eiablage, Nahrungsaufnahme und Entwicklungsstadien der Tiere, aber auch, welche Gefahren von ihnen für Menschen ausgehen. EMPFEHLENSWERT!

Tropische Zeckenart Hyalomma siedelt sich offenbar bei uns an

Mit fortschreitendem Klimawechsel siedelt sich inzwischen eine tropische Zeckenart in unseren Breiten an. Vielleicht haben Sie die Berichte über die Riesenzeckenart Hyalomma verfolgt. Wie Biologen berichten, lebt sie bereits dauerhaft in Ländern wie Spanien, dem Kosovo oder der Türkei. Durchgehend warme Temperaturen bieten dieser Zeckenart dort gute Lebenschancen. Sehr wahrscheinlich schleppen Zugvögel Hyalomma-Zecken im Gefieder bei uns ein.

blutgefüllte Zecke auf einer Hand - by Thorben Wengert - pixelio.de
blutgefüllte Zecke auf einer Hand – by Thorben Wengert – pixelio.de

Im Vergleich zum Gemeinen Holzbock erreicht sie eine bis zu fünffache Größe. Sie gehört zu den Jagdzecken, die sich mit großen Augen orientieren und sich sehr rasch bewegen. Dabei erreichen die Tiere Geschwindigkeiten von bis zu acht Metern pro Stunde. So haben sie beste Voraussetzungen, um ihre Opfer zu erjagen, bevor sie ihre Blutmahlzeit nehmen. Allerdings bereiten kühle und kalte Temperaturen der Zeckenart Hyalomma ernste Schwierigkeiten.

Daher bezweifeln Wissenschaftler, ob diese exotische Art sich dauerhaft in Deutschland ansiedelt. Da sich diese Zeckenart bei guten Bedingungen rasch vermehrt, beobachten Forscher des Robert-Koch-Instituts sie weiterhin sehr genau. Dabei bleibt die Tatsache interessant, dass Hyalommas häufiger Pferde befallen als andere Tiere. Natürlich kommen Forschungsinstitute bei ihren Untersuchungen und Statistiken besser voran, wenn ihnen Naturschützer, Förster, Jäger, Landwirte und die gesamte Bevölkerung Beobachtungen dazu mitteilen. So geraten regionale Schwerpunkte leichter in den Fokus, um Warnmeldungen auszusprechen.

Pferd auf einer Koppel - Pixabay
Pferd auf einer Koppel – Pixabay

Nun kommt natürlich die Frage auf, ob die Zeckenart Hyalomma für Mensch und Tier Gefahren darstellt. Dazu habe ich für Sie den NDR-Beitrag aus der Reihe „NDR-Ratgeber“ vom 21.8.2018 herausgesucht. Er stellt Hyalommas und aktuelle Forschungsarbeiten anschaulich vor: YouTube-Video mit einer Dauer von 5:06 Minuten. Darin geben Ihnen Prof. Dr. Ute Mackenstedt (Uni Hohenheim), Dr. Dr. hc Peter Hagedorn (Robert-Koch-Institut) und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit (Bernhardt-Nocht-Institut für Tropenmedizin) genaue Antworten.

Zecken übertragen Infektionserreger

Egal, ob ansässige Holzböcke oder eingewanderte Hyalommas, sie können alle Viren und Bakterien übertragen. Dabei erfolgt die Übertragung der Erreger allerdings erst, wenn die Zecken zugestochen haben und Flüssigkeiten, die sie nicht benötigen, ins „Wirtstier“ zurückfließen. Auf diese Weise geraten zum Beispiel Borreliose-Erreger (Bakterien) aus dem Darm des Holzbocks in den menschlichen Blutkreislauf und verseuchen langsam den ganzen Körper. Im schlimmsten Fall dauerhaft.

Bemerken Sie zum Beispiel nach einem Zeckenstich rote Flecken auf der Haut, die vielleicht sogar wandern (sogenannte Wanderröte) oder erleiden Symptome, die einer Grippe ähneln, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Denn dann besteht Verdacht auf Borreliose, die Ihr Arzt aber mit Antibiotika in den Griff bekommt.

Doktor_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de
Doktor_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de

Seltener übertragen Holzböcke Viren, die manchmal zur sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen. Auch in diesem Fall haben Sie zunächst das Gefühl, an einer Grippe erkrankt zu sein. Manchmal breiten sich die Viren aber auch bis ins Gehirn aus, wo sie Hirnhäute entzünden. Die Anzeichen dafür zeigen sich deutlich: Sie bewegen sich unkoordiniert und Lähmungen sowie Bewusstseinseintrübungen treten auf. Sollten bei Ihnen die genannten Symptome auftreten, vereinbaren Sie bitte unbedingt einen Termin bei Ihrem Arzt. Um dauerhaft eine FSME-Infektion zu vermeiden, lassen Sie sich bitte regelmäßig dagegen impfen. Eine einmalig erlittene FSME-Erkrankung gibt Ihnen auf Lebenszeit Impfschutz.

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Da Hyalommas aus tropischen Regionen zu uns kommen, bringen sie Erreger mit, die dort vorkommen. So wiesen Biologen bei ihnen ein Bakterium nach, das Fleckfieber auslöst. Fleckfieber zeigt sich durch Bauchschmerzen, Fieber und Übelkeit. Das Fieber führt jedoch nicht zum Tod. Nur Infektionen mit dem sogenannten Krim-Kongo-Virus, den die exotische Zecke auch weitergibt, enden ab und zu tödlich. Denn die Viren können das sogenannte Krim-Kongo-Fieber (Hämorrhagisches Krim-Fieber) auslösen, das Menschen im Osten und Süden Europas, im mittleren Osten, aber ebenso in Teilen Asiens und Afrikas heimsucht. Bisher bleibt eine Impfung dagegen allerdings ausgeschlossen. Nur entsprechende händische Vorsorgemaßnahmen helfen dabei weiter. Diese gelten für alle Zeckenarten.

So vermeiden Sie Infektionen durch Zecken und entfernen sie erfolgreich

Am besten ziehen Sie sich hochschaftige Schuhe, lange Hosen und geschlossene, helle Kleidung an, wenn Sie zum Beispiel im Wald arbeiten, einen Spaziergang über Wiesen und Felder unternehmen, Pilze sammeln oder Ihre Gartenarbeit machen. Auf der hellen Kleidung entdecken Sie die Tiere viel leichter als auf dunkler. Wenn Sie dabei auch noch Ihre Hosenbeine unter die Socken packen, sichern Sie siich rundum. Nach der Rückkehr wechseln Sie dann besser Ihre Kleidung und gehen Duschen, um Ihren ganzen Körper genau unter die Lupe zu nehmen. Zeitlich begrenzt helfen Ihnen zur Zeckenabwehr auch Sprays, die jedoch nur ungefähr zwei Stunden die Spinnen abwehren.

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Hat eine Zecke Sie trotzdem gestochen und bohrt sich unter die Haut, empfehlen Fachleute eine wirksame Methode, um sie erfolgreich zu entfernen: Nehmen Sie eine kleine Pinzette zur Hand und setzen Sie sie knapp über der betroffenen Hautpartie an. Dann ziehen Sie die Zecke vorsichtig und langsam aus der Haut ohne sie zu stark zu greifen und dadurch zu zerquetschen. Denn mit dem äußeren Druck würde das Tier seinen Darminhalt mit Erregern zurück in Ihren Blutkreislauf entleeren. Vergessen Sie bitte anschließend nicht, die Einstichstelle gut zu desinfizieren.

Wie sehen die Zecken-Prognosen für 2019 aus?

Nach Angaben von zum Beispiel BR24 erwartet uns im Jahr 2019 ein aktives Zeckenjahr. Dagegen stufen Wiener Wissenschaftler das Jahr 2019 eher als ein durchschnittliches Zeckenjahr ein, während Outfox WORLD in einer Meldung vom Februar 2019 einen neuen Höchstwert prognostiziert.

Bereits 2018 beobachteten Biologen eine Zunahme des Zeckenaufkommens. Das zeigt sich deutlich durch die Zahl von FSME-Erkrankungen, die deutschlandweit auf beinahe 600 Erkrankungen stieg. Treten mehrere Zeiträume milder Temperaturen hintereinander auf, potenzieren sich natürlich die Zeckenpopulationen. Je mehr Zecken, umso mehr neue Populationen. Die zunehmende, dauerhafte Klimaerwärmung wirkt nachweislich als Entwicklungsmotor. Wie Untersuchungen zeigen, beenden diese Spinnen ihre Winterruhe inzwischen schon ungefähr vier Wochen früher als noch vor Jahren. Auch Insekten, also zum Beispiel Schnaken, Hummeln und Bienen, verlassen früher ihre geschützten Winterstandorte.

Sie möchten noch mehr zum Thema „Zecken“ erfahren? Dann informieren Sie sich am besten in folgenden ausgesuchten Quellen:

11.4.2019 Biotechnologen entwickeln Impfstoff gegen Zecken (regionalBraunschweig.de)

Steckbrief der Zecke aus Biologie-Schule.de

Video-Beitrag für Sie aus der Reihe „Planet Schule“ mit dem Titel „Welt der Winzlinge – Zecken“

„Tropen-Zecke: Wie gefährlich ist Hyalomma?“ aus Visite, NDR; Beitrag aus NDR Ratgeber (21.8.2018, YouTube Video, Dauer: 5:06 Min.); EMPFEHLENSWERT!

„Alles über Zecken“, die Süddeutsche Zeitung informiert Sie ausführlich

© Paul Bock

 

5 Kommentare zu „Zeckensaison beginnt

      1. Hallo Dario, der zweite Link stimmt schon. Allerdings müsstest Du Dich dort einfach einmal anmelden, um verschiedene Gruppen einzusehen
        . Eine Suchfunktion steht bereit. Wenn Du Lust hast, teste es einfach. Ich kann Dir MeWe nur empfehlen, weil ich sehr zufrieden damit bin. Vielleicht hilft Dir das weiter. Lieber Gruß vom Paul 😊

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