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Handlungskompass zum Plastikmüll für Entscheider und Verbraucher
Überall auf dem Globus finden sich Kunststoffe. Obwohl sich die Umweltbelastung dieser Stoffe inzwischen ganz
offen zeigt, steigen Kunststoffproduktion und -verbrauch weltweit stetig an. Besonders Meerestiere und 
-pflanzen leiden unter dem massiven Einsatz und dem verantwortungslosen Umgang mit Plastik. An Stränden 
und in den Ozeanen sammelt sich Müll jeder Art an. 75 Prozent davon sind Plastikabfälle. Der Mensch versucht, 
Lösungen zu entwickeln. Doch Natur und Umwelt bleiben allzuoft die Verlierer.
Handlungskompass für Kunststofferzeuger, Politiker, Handel und Verbraucher

Inzwischen gibt es ein Bündel erfolgversprechender Lösungsansätze, um die Plastikflut einzudämmen. Eine Reduzierung produzierter Kunststoffprodukte verspricht dabei natürlich am meisten Erfolg. Denn damit wären Flora und Fauna kurzfristig entlastet. Kunststofferzeuger und politische Entscheider müssen dazu im Boot sitzen, Handel, Industrie und umweltbewusste Verbraucher reissfeste Segel hissen. Jetzt braucht unser blauer Planet auf der Brücke, auf Deck und in den Schoten eine eingespielte Mannschaft, denn die Kompassnadel zeigt ins Sturmgebiet. Im Kursbuch müssen kurzfristige Beschlüsse stehen, die national und international verbindliche Regelungen schaffen und in ruhige Gewässer führen.

Unterwasserbild eines Korallenriffs © Wolfgang Resmer / www.pixelio.de

Unterwasserbild eines Korallenriffs © Wolfgang Resmer / http://www.pixelio.de

Einkaufsratgeber des BUND holt Kunststoffhersteller ins Boot

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. hat einen Einkaufsratgeber zum Thema Mikroplastik aufgelegt. Eine genaue Liste zahlreicher Hersteller zeigt den Verbrauchern, welche Körperpflege- oder Kosmetikprodukte Mikroplastik enthalten. Der BUND kooperiert dabei mit dem Umweltbundesamt in Berlin (UBA). Wie die Meeresbiologin Stefanie Werner vom UBA in Dessau-Roßlau bereits im August 2015 der Berliner Zeitung berichtete, verhandle das Amt mit Vertretern der Kosmetikindustrie. Zielsetzung sei, in den Produkten ganz auf Mikroplastik zu verzichten. Offenbar haben dem zahlreiche Hersteller inzwischen zugestimmt.

Brauchen Sie eine Plastiktüte?
Plastikfolie in der Natur © Paul Bock

Plastikfolie © Paul Bock

Diese Frage hört jeder von uns mehrmals täglich. Immerhin sind die Tüten für den Handel ein zentrales Marketinginstrument. Daher liegt es in seinem Interesse, daran festzuhalten. Allein in Deutschland werden jährlich über sechs Milliarden (in Zahlen: 6.000.000.000) Plastiktüten verbraucht. Nach Angaben von Bündnis 90/Die Grünen beläuft sich die Zahl verwendeter Plastiktüten europaweit auf 100 Milliarden Stück (in Zahlen: 100.000.000.000). Dünne Plastiktüten werden als Wegwerfprodukt verwendet. Schon nach kurzer Zeit landen sie im Müll.

Eurozeichen © Lupo / www.pixelio.de

Eurozeichen © Lupo / http://www.pixelio.de

Lösungsansätze zur Eindämmung der Plastiktütenflut sind inzwischen auf den Weg gebracht. Ein Bündel unterschiedlicher Ideen reift heran, um den Beschluss des Europaparlaments vom April 2015 erfolgreich umzusetzen. Der Verbrauch von leichten Plastiktüten soll EU-weit in zwei Stufen sinken: bis 2019 auf höchstens 90 Stück und bis 2025 auf höchstens 40 Stück pro Kopf und Jahr. Dabei bleibt den einzelnen EU-Staaten ihr eigener Spielraum bei der Realisierung bewahrt, also zum Beispiel ein Plastiktütenverbot, Gebühren- oder Pfandeinführung. Wie der Europaabgeordnete Axel Voss (CDU) berichtet, bleiben „dicke Plastiktüten über 50 Mikron“ und für die Verpackung von Nahrungsmitteln vorgesehene „kleinere unter 15 Mikron“ von der stufenweisen Regelung ausgenommen. Heute verwendet jeder EU-Bürger im Durchschnitt noch 200 Plastiktüten im Jahr, jeder Deutsche 71 Stück.

Plastiktüten gegen Pfand

In Deutschland wird die oben genannte EU-Richtlinie per 1. Juli 2016 umgesetzt. Ab diesem Termin sollen Einzelhändler nach und nach für jede an Kunden ausgegebene Plastiktüte Geld verlangen. Über die praktische Umsetzung entscheidet dabei allerdings jedes Geschäft selbst. Also zum Beispiel, wann eine Ladenkette damit beginnt oder über den Preis pro Tüte. Natürlich bleiben andere Alternativen weiterhin offen. Handel und Gewerbe könnten beispielsweise ganz auf Plastiktütenangebote verzichten oder nur Leinentaschen für den Transport der Waren anbieten. Auch ohne EU-Regelung werden solche Möglichkeiten heute schon erfolgreich angewandt. Bei näherem Augenschein ändert sich also mit der Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland wohl kaum etwas. Offen bleibt, ob Handel, Gewerbe und Verbraucher dem Grundgedanken der Richtlinie seinen festen Platz im Alltag einräumen möchten. Denn oberstes Ziel bleibt die Senkung der Plastikmüllmenge.

Kleingeld © Petra Bork / www.pixelio.de

Kleingeld © Petra Bork / http://www.pixelio.de

Handelsverband Deutschland (HDE) setzt auf Umweltschutz

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat inzwischen ca. 150 Unternehmen davon überzeugt, die Richtlinie im eigenen Hause auf den Weg zu bringen. So verlangen die Modefachgeschäfte H&M und C&A inzwischen 20 Cent pro Plastikbeutel, Karstadt hat auf Mehrwegtragetaschen umgestellt und die Elektromärkte Media Markt sowie Saturn bieten Plastiktüten nur noch an, wenn der Kunde eine verlangt. Allerdings werden – nach Aussage der Greenpeace-Sprecherin Sandra Schöttner – nur 7 von 10 Kunststofftüten von HDE-Mitgliedern ausgegeben. Und dünne Plastikbeutel, die für Obst und Gemüse ausliegen, bleiben unberücksichtigt.

Einkaufsregale im Supermarkt © Rosel Eckstein / www.pixelio.de

Einkaufsregale im Supermarkt © Rosel Eckstein / http://www.pixelio.de

Die Supermarktkette Rewe bietet ab Juli 2016 überhaupt keine Plastiktüten mehr an. Auch ihr Lieferservice zieht am gleichen Strang. Damit sinkt der jährliche Verbrauch bei Rewe um 140 Millionen Stück. In Zukunft hat der Kunde dort die Wahl zwischen Baumwollbeutel, PET-Tasche oder Papiertüte. Der Sportartikelhersteller adidas und die Textilhandelskette Kik haben sich bereits im April und im Oktober 2015 dazu entschlossen. Die Stückzahlen für Kunststofftüten purzeln so nochmal zusammen um jährlich mindestens 220 Millionen. Im Verhältnis zum deutschen Gesamtverbrauch von sechs Milliarden Stück aber noch verschwindend gering. Aldi-, Lidl– und ein Großteil der Edekamärkte bieten weiterhin Kunststoffbeutel an.

Weitere Seiten zum Thema:
Wenn Eissturmvögel, Sturmtaucher, Albatrosse und Pinguine Kunststoffe verschlucken
300 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte werden im Jahr weltweit hergestellt
Plastikmüll - das Vermächtnis unserer Wegwerfgesellschaften
Plastikmüll im Sack © Paul Bock

Plastikmüll im Sack © Paul Bock

Mikroplastik dringt in jeden Organismus ein
Meere schlucken Kunststoffe und zermahlen sie
tosendes Meer © Rosel Eckstein / www.pixelio.de

tosendes Meer © Rosel Eckstein / http://www.pixelio.de

Müllstrudel und Plastikinseln verpesten die Weltmeere
Plastikvermeidung und -recycling setzen aktiven Umweltschutz voraus
Download der Publikation "Meer ohne Plastik" vom BUND im Pdf-Format
Petition auf change.org von Katharina: "Schluss mit dem Müll bei dm: Keine unnötigen 
Verpackungen & ressourcenvergeudende Produkte" 
Auf der Seite von PlasticsEurope (Association of Plastics Manufacturers) kommt der Verband der 
europäischen Kunststofferzeuger  zu Wort. Er bietet eine Mediathek, aber auch Publikationen. So 
informiert die zweiseitige Publikation "Kunststoff: zum Wegwerfen viel zu schade" über das 
wichtige Thema Plastikrecycling. Sie steht zum kostenlosen Download im pdf-Format bereit.
Notizbuch © I Vista / www.pixelio.de

Notizbuch © I Vista / http://www.pixelio.de

Download des BUND-Einkaufsratgebers zum Thema Mikroplastik (pdf-Format)
Die Deutsche Umwelthilfe e.V. stellt fest: "Deutschland ist Abfall-Europameister." Der Verein 
forciert den Ressourcenschutz in Supermärkten und Drogerien.

© Paul Bock

 

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