Meere schlucken Kunststoffe und zermahlen sie

Überall auf dem Globus finden sich Kunststoffe. Obwohl sich die Umweltbelastung dieser Stoffe inzwischen ganz offen zeigt, steigen Kunststoffproduktion und -verbrauch weltweit stetig an. Viele Pflanzen und Tiere leiden unter dem massiven Einsatz und dem verantwortungslosen Umgang mit Plastik.

Besonders Meerestiere und -pflanzen. Denn Kunststoffe tragen auch Gifte in sich, die wie sie selbst nur sehr langsam abgebaut werden und sich in allen Lebewesen anreichern. Landmassen, Binnengewässer, Strände und Meere vermüllen durch Unrat jeder Art. Davon sind 75 Prozent Kunststoffabfälle. Obwohl der Mensch Zusammenhänge erkennt und Lösungen entwickelt, bleiben Umwelt und Natur allzuoft die Verlierer.

Verpackungsmüll und Verbraucherplastik

Plastikmüll im Sack © Paul Bock
Plastikmüll im Sack © Paul Bock

In den Weltmeeren sammeln sich alle Arten von Müll. Das Umweltbundesamt schätzt zum Beispiel, dass sich in der Nordsee über 600.000 Kubikmeter Müll aller Art befinden. Umgerechnet auf jeden Quadratmeter Meeresboden liegen dort also fast elf Kilogramm Müll. Dabei zeigt die Recherche, dass in den Ozeanen offenbar immer bis zu 75 Prozent der gesamten Müllmenge aus Kunststoffen besteht. Das Sortiment ist scheinbar endlos. Allein die Liste gängigen Verpackungsmülls kennt keine Grenzen: Plastikfolien halten Warenpaletten oder Kunststoffflaschen zusammen, sollen abgepackte Käse- und Wurstangebote attraktiver machen, halten geräucherten Schinken oder Fisch sauber und frisch oder schützen millionenfach Ware vor Beschädigung.

Plastikmüll und Restmüll am Wegesrand © oekobeobachter
Plastikmüll und Restmüll am Wegesrand © oekobeobachter

Auch die Liste sogenannten Verbraucherplastiks, das die Ozeane überschwemmt, reicht von A bis Z: Angelruten und –schnüre, Becher und Bestecke, Deckel und Drehverschlüsse, Eimer und Getränkeflaschen, Klobürsten, medizinische Abfälle wie Verbandsmaterial oder Handschuhe, Plastiktüten und -taschen, Spielzeugteile, Strohhalme, Styroporfetzen, Schlepp- und Stellnetze, die beim Fischfang zurückgelassen wurden, Tampons, verbeulte Tetrapaks, Zahnbürsten, zerfetzte Segel usw.

Wind und Wellen mischen Kohlendioxid ins Wasser © Andreas Hermsdorf / www.pixelio.de
Wind und Wellen mischen Kohlendioxid ins Wasser © Andreas Hermsdorf / http://www.pixelio.de

Ja, die Weltmeere schlucken außer radioaktiven Abfällen und abgelassenen Ölen auch Kunststoffe jeder Art. So nutzt der Mensch sie als grenzenlose, kaum kontrollierbare Müllhalden, die 24 Stunden am Tag geöffnet sind. Nur ein kleiner Teil des Unrats strandet allerdings an den Küsten. So findet man an Nord- und Ostseestränden auf einer Weite von 100 Metern durchschnittlich 236 Müllteile aller Art. Auch hier gilt die erwähnte Faustregel, dass 75 Prozent davon Kunststoffe sind.

Wenn mechanische, thermische und chemische Kräfte sich verbünden

Meere kennen keine Ruhe. Tagein, tagaus und pausenlos wirken vielfältige Kräfte auf alle im Wasser treibenden Teile. Egal, ob organische Bestandteile, also tote Wurzeln, Äste oder Planken, im Wasser schwimmen oder Plastikmüll jeder Coleur. Mechanische Kräfte wirbeln sie auf und nieder. Wind, Wellengang, Wetter und Sturm treiben sie um. Gerade erst in die Tiefe gerissen, tanzen sie im nächsten Augenblick schon wieder auf den Wellen.

tosendes Meer © Rosel Eckstein / www.pixelio.de
tosendes Meer © Rosel Eckstein / http://www.pixelio.de

Strömungen und Wirbel wälzen die Wassermassen durcheinander. Dabei sind Temperatur- und Salzgehaltunterschiede die dynamischen Kräfte. Solange sich die Teile noch nahe der Wasseroberfläche bewegen, sind sie auch noch der Sonnenstrahlung ausgesetzt. Dadurch werden sie spröde und bleich. Chemische Kräfte kommen hinzu, also gelöste Salze, Öle und andere Gifte. Sie greifen Kunststoffe nachhaltig an.

Alle genannten Kräfte – mechanische, thermische und chemische – zermürben nach und nach alle in die Weltmeere eingebrachten Feststoffe. Mehr oder weniger zerkleinert sinkt schließlich auch der Plastikmüll auf eine Tiefe von ungefähr zehn Metern ab. Dort zerfällt er weiter und verschwindet in finsteren Meerestiefen. Nur mit geeigneter Ausrüstung entdecken Meeresforscher die ökologischen Schäden an Flora und Fauna.

Weitere Seiten zum Thema:

Wenn Eissturmvögel, Sturmtaucher, Albatrosse und Pinguine Kunststoffe verschlucken

300 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte werden im Jahr weltweit hergestellt

Plastikmüll – das Vermächtnis unserer Wegwerfgesellschaften

Mikroplastik dringt in jeden Organismus ein

Müllstrudel und Plastikinseln verpesten die Weltmeere

Handlungskompass zum Plastikmüll für Entscheider und Verbraucher

Plastikvermeidung und -recycling setzen aktiven Umweltschutz voraus

Download der Publikation „Meer ohne Plastik“ vom BUND im Pdf-Format

Petition auf change.org von Katharina: „Schluss mit dem Müll bei dm: Keine unnötigen Verpackungen & ressourcenvergeudende Produkte“

Verein Plasticontrol e.V. informiert zum Thema Plastik in den Meeren. Kurze Videos zeigen die ernste Lage.

Auf der Seite von PlasticsEurope (Association of Plastics Manufacturers) kommt der Verband der europäischen Kunststofferzeuger zu Wort. Er bietet eine Mediathek, aber auch Publikationen. So informiert die zweiseitige Publikation „Kunststoff: zum Wegwerfen viel zu schade“ über das wichtige Thema Plastikrecycling. Sie steht zum kostenlosen Download im pdf-Format bereit.

Download des BUND-Einkaufsratgebers zum Thema Mikroplastik (pdf-Format)

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. stellt fest: „Deutschland ist Abfall-Europameister.“ Der Verein forciert den Ressourcenschutz in Supermärkten und Drogerien.

©Paul Bock

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.