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Mikroplastik dringt in jeden Organismus ein
Mikroplastik durchdringt alles  

Und jeder aufgeklärte Bürger weiß, dass Hitze, Frost, Regen oder Schnee an Plastikfolien, -bechern oder –tüten nur sehr langsam nagen. Bis sie schließlich ganz zerbröseln und als kleinste Partikel zurückbleiben. So gelangen sie als naturfremde Stoffe ungehindert in Böden, Bäche, Seen, Flüsse und schließlich in die Weltmeere. Dort nehmen Meeresvögel und Fische feine Plastikteilchen als vermeintliche Nahrung auf. Fachleute bezeichnen solche Kunststoffteilchen als „Mikroplastik“. Alle Plastikpartikel, die höchstens einen halben Zentimeter groß sind, fallen in diese Kategorie. Auch Kläranlagen filtern die mikroskopisch kleinen Teilchen bisher nicht aus.

Plastikfolie in der Natur © Paul Bock

Plastikfolie © Paul Bock

Pestizide und Flammschutzmittel bleiben auf Mikroplastik haften

Das riesige Ökosystem Meer ist aber nicht nur durch Mikroplastik verseucht, sondern auch durch Giftstoffe, die sich im Wasser wiederfinden. Eissturmvögel, Sturmtaucher und Albatrosse sind also nur einige Opfer dieses globalen Müllskandals. Hinzu kommen im Wasser lebende Meerestiere. Fische und Meeresschnecken nehmen zum Beispiel sowohl Mikroplastik als auch im Wasser gelöste Schadstoffe auf.

Meeresflora und -fauna © Harald Schottner/ www.pixelio.de

Meeresflora und -fauna © Harald Schottner/ http://www.pixelio.de

Der Meeresökologe Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland (AWI) hat die komplizierten Sachverhalte wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Er hat im Meerwasser Pestizide und Flammschutzmittel nachgewiesen, die sich auf den Plastikteilchen beständig anlagern. Die Gifte reichern sich im Laufe der Zeit an und bleiben für lange Jahre auf dem Plastik haften. Auch im Plastik enthaltene Weichmacher sind im Meerwasser festgestellt worden. Offen bleibt allerdings, inwieweit sie die Lebensqualität der Meeresfauna einschränken.

Pinguine © Christian Heinze / www.pixelio.de

Pinguine © Christian Heinze / http://www.pixelio.de

Auch Schildkröten, Robben und sogar Wale kämpfen täglich mit Müll, der ihre Lebensräume verschmutzt. Auf Nahrungssuche verschlucken die Tiere verwitterte Plastikteile, Styropor oder Plastikbecher, an denen sie sich manchmal verletzen. Oft versuchen sie vergeblich, den Fremdkörper wieder heraus zu würgen, und verhungern schließlich, weil der Schlund verstopft ist.

Wasserschildkröte © Harald Schottner / www.pixelio.de

Wasserschildkröte © Harald Schottner / http://www.pixelio.de

Umweltbundesamt: Studie belegt Mikroplastikbelastung

Im Herbst 2015 hat das Umweltbundesamt in Berlin eine Studie zum Thema „Relevante Quellen für Mikroplastik“ beim nova-Institut in Auftrag gegeben. Das Institut hat dabei den deutschen Meeresschutz ins Visier genommen. Die Studie stellt fest: Der größte Teil des Mikroplastiks entsteht als Folge von Witterungseinflüssen. Fachleute bezeichnen die so entstandenen Partikel als sekundäre Kunststoffteilchen.

Pottwal taucht © Christian Nesslinger / www.pixelio.de

Pottwal taucht © Christian Nesslinger / http://www.pixelio.de

Im Gegensatz dazu werden Mikroteilchen aus Kunststoff gezielt bei der Herstellung zahlreicher Artikel beigemengt. Sie erhöhen das Mikroplastikaufkommen in Natur und Umwelt zusätzlich. Dabei spricht man von primären Kunststoffteilchen. Sie werden zum Beispiel bei der Herstellung von Kosmetikartikeln, wie Duschgels, Zahnpasten, Gesichtscremes oder Peelings verwendet. Aber ebenso in Kunststoffwachsen, Desinfektions- und Waschmitteln verarbeitet. Die in dieser Weise zugesetzten Plastikteilchen wirken wie ein Schmirgelmittel, das den Reinigungseffekt verbessert. Nach der Reinigung fließen die Teilchen regelmäßig ins Abwasser.

Wissenschaftliche Schätzungen ergeben, dass allein zur Erzeugung kosmetischer Produkte in Deutschland jährlich bis zu 500 Tonnen Polyethylen zum Einsatz kommen. Im gleichen Zeitraum liegt der Verbrauch an Mikropartikeln für Kunststoffwachse bei ca. 100.000 Tonnen, für Desinfektions- und Waschmittel bei ungefähr 100 Tonnen.

Robben sonnen sich © Dr. Stephan Barth / www.pixelio.de

Robben sonnen sich © Dr. Stephan Barth / http://www.pixelio.de

Untersuchungen in Abwässern zeigen, dass Mikroplastik auch beim Waschen von Kleidungsstücken aus Chemiefasern in die Umwelt gelangt. Dazu zählen in besonderem Maße Outdoorbekleidungen und Fleecejacken, die in den meisten Fällen aus Polyester oder Polyacryl bestehen. Nach Angaben des Meeresökologen Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) verlieren die genannten Stoffe pro Waschgang bis zu 1.900 Kunststofffasern, die bisher keine Kläranlage ausfiltert. Hinzu kommt die Belastung durch den Straßenverkehr, denn jeder Reifenabrieb hinterlässt derartige Spuren.

Albatrosse © Margit Jacob / www.pixelio.de

Albatrosse © Margit Jacob / http://www.pixelio.de

Alfred-Wegener-Institut: Mikroplastik in Speisefischen und Meeresfrüchten

2016 weisen neue Studien des Alfred-Wegener-Instituts in die gleiche Richtung. Die Mitarbeiter nahmen die Mikroplastikbelastungen in Ost- und Nordsee genauer ins Visier. Dabei deckten sie auf, dass dort Speisefische und Meeresschnecken durch Kunststoffteilchen verseucht sind. Je nachdem, wo einzelne Fischarten ihre Nahrung aufnehmen, sind sie mehr oder weniger stark damit belastet. So stellen die Institutsmitarbeiter fest, dass zum Beispiel Makrelen – im Vergleich zu Flundern und Heringen – eine durchschnittlich größere Menge Kunststoff aufnehmen. Da Makrelen sich ihr Futter vorwiegend im Bereich der Wasseroberfläche holen, wo das meiste Mikroplastik schwimmt, ist dies leicht verständlich. Bisher bleibt allerdings noch unklar, inwieweit der Mensch als letzter in der Nahrungskette gesundheitliche Folgen durch die Aufnahme von Mikroplastik erleidet.

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Download der Publikation "Meer ohne Plastik" vom BUND im Pdf-Format
Petition auf change.org von Katharina: "Schluss mit dem Müll bei dm: Keine unnötigen 
Verpackungen & ressourcenvergeudende Produkte" 
Verein Plasticontrol e.V. informiert zum Thema Plastik in den Meeren. Kurze Videos zeigen 
die ernste Lage.
Auf der Seite von PlasticsEurope (Association of Plastics Manufacturers) kommt der Verband der 
europäischen Kunststofferzeuger  zu Wort. Er bietet eine Mediathek, aber auch Publikationen. So 
informiert die zweiseitige Publikation "Kunststoff: zum Wegwerfen viel zu schade" über das 
wichtige Thema Plastikrecycling. Sie steht zum kostenlosen Download im pdf-Format bereit.
Download des BUND-Einkaufsratgebers zum Thema Mikroplastik (pdf-Format)
Die Deutsche Umwelthilfe e.V. stellt fest: "Deutschland ist Abfall-Europameister." Der Verein 
forciert den Ressourcenschutz in Supermärkten und Drogerien.

 

©Paul Bock

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