Beiträge zu den Themen Wort, Sprache und Kommunikation

Auf dieser Seite sammle ich für Sie Beiträge zu den Themen Wort, Sprache und Kommunikation

Kleiner Baukasten für gute Texte

Sprache zeigt sich so facettenreich wie die Menschen, die sie verwenden. Egal, ob sie in schriftlicher oder akustischer Form eingesetzt wird. Aber nur in ihre Wundertüte zu greifen und ein treffendes Wort herauspicken, genügt meistens nicht. Denn im schriftlichen Sprachgebrauch gilt natürlich: der erste Griff bleibt selten die beste Wahl. Und außerdem …

Buchstapel © Paul Bock
Buchstapel © Paul Bock

spielen neben der richtigen Wortwahl zahlreiche weitere Faktoren wichtige Rollen, um einen guten Text zu schreiben. Dazu gehören zum Beispiel Textlänge, Satzbau und -länge, Rhythmus, aber ebenso bildreiche Sprache, sprachliches Feingefühl, Interpunktion und Rechtschreibung.

Vollmond © Paul Bock

Aber erst, wenn diese Zutaten harmonieren und lautes Vorlesen rund läuft, kann der Text über Nacht reifen. Dabei zeigt sich immer wieder, dass mehrfache Textüberarbeitung zu Verbesserungen führt, die vorher noch im Dunkeln lagen.

Passend zum Thema möchte ich Ihnen den informativen Artikel „Wie wir mit Sprache malen“ aus dem Wissensmagazins Scinexx.de vorstellen.

Der Beitrag „Unkraut rupfen: Checkliste für bessere Texte“ von Gitte Härter vertieft das Thema.

Zusätzlich verlinke ich Ihnen auch gerne eine gute Seite, die ich auf LehrerInnenfortbildung Baden-Württemberg gefunden habe. Wenn Sie erfahren möchten, welcher Schreibtyp Sie sind, schauen Sie einfach einmal hinein.

© Paul Bock

So zitieren Sie besser

Wer Texte und Artikel verfasst, kennt Aufwand und Mühe, wenn dafür ein oder mehrere Quellen als Grundlage dienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Endprodukt aus einem belletristischen oder journalistischen Kokon schlüpft. Nun fragen Sie sich vielleicht: Welchen Sinn haben Zitate überhaupt? Wie zitieren Sie am besten?

Ohne Quellen kein Zitieren

Wie Sie wissen, bieten uns Quellen allzu oft reichhaltige Daten, Fakten und Hintergründe. Also Farbtöpfe, in die wir unsere Pinsel eintauchen und daraus interessante, spannende Details malen. Damit stoßen wir eigene Gedanken an, setzen sie in Szene und entwickeln sie. Sobald wir aber selbstgestrickte Texte auf die Grundlage fremder Quellen stellen, ist Sorgfalt und Genauigkeit geboten. Denn dann betreten wir dünnen Boden und müssen überlegen, was und wie wir am besten Vorhandenes übernehmen. Aber auch, welche Informationen davon überhaupt stimmen. Daher brauchen wir möglichst viele fundierte Quellen, deren Inhalte sich gegenseitig bestätigen. Dieser Beitrag soll Ihnen dabei helfen, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Stolperstein_R_K_by_virginia43_pixelio.de
Stolperstein_R_K_by_virginia43_pixelio.de

Wo liegen die Stolpersteine beim Zitieren?

Natürlich dürfen Quelleninhalte nicht verfälscht oder falsch interpretiert werden. Richtige Inhalte sollten Sie also unverändert übernommen und dabei mehrere Quellen miteinander vergleichen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Inhalte verständlich neu zu formulieren.

Mein Tipp für Sie: Nur wenn Sie dafür keine eigenen Worte finden, übernehmen Sie den Wortlaut der Quellen (Urtexte). Dabei markieren Sie das Zitat in sogenannte Gänsefüßchen. Vergessen Sie nicht, im Anschluss Quelle, Autor, Veröffentlichungsjahr und Seitenzahl in Klammern anzugeben. Diese Zitatform nennt sich Harvard-System. Je nachdem, welche Textform Sie erstellen, differieren die Zitierregeln. Zum Beispiel erfordern wissenschaftliche Beiträge sehr strenge Regeln. Mehr dazu lesen Sie weiter unten in meiner kleinen „Link-Sammlung zum Thema Zitieren“.

Karteikasten_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de
Karteikasten_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de

Wie vermeiden Sie Fehler beim Zitieren?

Dazu möchte ich Ihnen einen informativen Beitrag aus dem Blog von spektrum.de Scilogs nahebringen. Die Autorin, Susanne M. Hoffmann, hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und bereitet Sie auf die Hürden im Einzelnen vor. Seien Sie gespannt.

Hier gehts zum Blog-Artikel

Kleine Linksammlung für Sie zum Thema Zitieren:

„Facharbeit: Wie zitiere ich richtig?“, der Studienkreis Nachhilfe informiert Sie über das Thema „Zitieren. Sie finden dort

  • Übungsbeispielen,
  • hilfreichen Inhalte zu direkten und indirekten Zitaten,
  • Zitieren nach dem Harvard-System und der deutschen Zitierweise.
  • Außerdem erklärt Ihnen ein zweiminütiges Video wichtige Details.

„Zitieren nach wissenschaftlichen Zitierregeln“, Bachelor Print bietet Ihnen auf dieser Seite ein breites Spektrum weiterführender Links und Beiträgen zum Thema „Zitieren“.

„Zitieren: Warum und wie?“, eine weitere Seite für Sie über wissenschaftliches Zitieren. academics bietet Ihnen in diesem Artikel eine Fülle an Wissen. Zum Beispiel:

 

Ich wünsche Ihnen reichhaltige Erkenntnisse und viel Erfolg beim Zitieren!

Erfolgskurve zeigt nach oben by fotoART by Thommy-Weiss pixelio.de
Erfolgskurve zeigt nach oben by fotoART by Thommy-Weiss pixelio.de

© Paul Bock

Sechs W-Fragen feuern Ihre Fantasie an

Nach einer Schreibpause nehme ich heute den Faden wieder auf. Vielleicht haben einige von Ihnen bereits ungeduldig auf weitere Beiträge gewartet. Da ich aber meine Website oekobeobachter.com sehr intensiv bearbeite, fehlt mir oft die Puste für frischen Wind. Doch nun Schluss mit Vorwort und Erklärungen. Krempeln wir wieder die Ärmel hoch! Haben Sie Lust?

Heute blättern wir im Katalog der „Sechs W-Fragen“: Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum?

Die Antworten auf diese Fragen leuchten dunkelste Winkel unserer Fantasie aus. Mit ihnen erschaffen wir dreidimensionale Figuren vor einem verdichteten Hintergrund. Und diese Methode liefert uns einen guten Überblick über Haupt- und Nebenfiguren. Aber auch Schauplätze, zeitlicher Handlungsablauf und logische Beweggründe fiktiver Personen bekommen damit erste Farbanstriche. Alle Mitwirkenden nehmen dabei also schon einmal ihre Plätze probeweise auf der Theaterbühne ein.

Theaterbühne by_Gabriele genannt Gabi Schoenemann_pixelio.de
Theaterbühne by_Gabriele genannt Gabi Schoenemann_pixelio.de

Natürlich benötigt dieses Vorgehen Zeit. Und ohne einen Schrank voller Fantasie geht das nicht. Aber im späteren Schreibprozess stehen wir so auf sicheren Beinen, denn wir haben uns bereits mit Details intensiv beschäftigt. Die Erfahrung zeigt, dass Ihre Fantasie dabei Sprünge macht. Machen Sie also dazu Ihren Schrank weit auf. Sie werden staunen.

Je tiefer Sie dann in Ihrem Fantasiefundus kramen, umso intensiver werden Sie auch an den Antworten auf die „Sechs W-Fragen“ feilen und raspeln. In der gleichen Weise wie Sie später bei der schriftlichen Ausarbeitung die Spreu vom Weizen trennen.

 

Raspeln und feilen Sie! by_w.r.wagner_pixelio.de
Raspeln und feilen Sie! by_w.r.wagner_pixelio.de

 

Solange bis Sie sich zufrieden zurücklehnen und sich sagen: Ja, das passt so. Im Prinzip entpuppt sich jeder Schreibprozess als vielfätige Entwicklung. Dabei führen Sie Regie. Sie sind der Macher. Eine gute Geschichte zu formen und zu kneten macht viel Spaß. Dabei entscheidet der fruchtbare Pakt zwischen Kreativität und Eigendisziplin maßgeblich über Ihren Erfolg. Schließlich möchten Sie, dass die Leser Ihr Werk nicht mehr aus der Hand legen.

Intensive Planung und klarer Überblick führen Sie sicher ans Ziel

Wer?

Welche Personen agieren in Ihrer Geschichte? Wie sehen sie aus? Liegen markante Körpermerkmale vor, wie zum Beispiel eine Hakennase oder ein breites Kinn? Wie sprechen sie? Was machen sie beruflich? Welchen Hobbies gehen sie nach? Welche sozialen Kontakte pflegen sie zum Beispiel in der Familie und im Freundeskreis? Leben sie gesellig oder eigenbrötlerisch, als Single oder in einer Partnerschaft? In welchem gesellschaftlichen Umfeld agieren sie? Welche Schulbildung trägt sie durch´s Leben?

Ideen sammeln_by_Jorma Bork_pixelio.de
Ideen sammeln_by_Jorma Bork_pixelio.de

 

Überlegen Sie sich zu jeder einzelnen Figur, wie sie „tickt“: Welchen Charakter hat sie? Welche Eigenheiten, Vorlieben und Schwächen zeichnet sie aus? Welche Ziele und Wünsche verfolgt sie? Was treibt sie also an? Was hat sie in der Vergangenheit erlebt und vielleicht geprägt?

Versuchen Sie bitte, sich ganz intensiv mit den Einzelpersonen Ihrer Geschichte zu beschäftigen. Dann wissen Sie, wie sie in konkreten Situationen reagieren. Das erzeugt bei Ihren Lesern Glaubwürdigkeit und verdichtet Ihre Geschichte auf einer realen Ebene. Schließen Sie zum Beispiel Ihre Augen und stellen Sie sich einzelne Figuren der Reihe nach vor. Führen Sie im Geiste Gespräche mit ihnen. Hören Sie fiktiven Dialogen zwischen ihnen zu. Auf diese Weise lernen Sie sie allmählich sehr genau kennen.

Wenn Sie möchten, erstellen Sie eine Tabelle. by_I-vista_pixelio.de
Wenn Sie möchten, erstellen Sie eine Tabelle. by_I-vista_pixelio.de

Versuchen Sie also, soviel als möglich aus der Fundgrube Ihrer Fantasie zu den Personen auszugraben. Wenn es Ihnen leichter fällt, machen Sie sich dazu eine Tabelle. Damit gewinnen Sie einen guten Überblick, den Sie jederzeit ergänzen können.

Was?

Die Antworten auf diese Frage beschreiben zum Einen natürlich den Handlungsablauf. Zum Anderen aber ebenso die Einzelszenen. In welcher logischen Reihenfolge laufen diese ab? Oder macht es Sinn, vielleicht zwischendurch Rückblenden einzubauen, um zum Beispiel die Spannung zu erhöhen? Erfahrungsgemäß schafft auch hier eine saubere, ergänzbare Tabelle einen guten Überblick.

Manche Autoren skizzieren sich dazu auch Einzelszenen auf separaten Dokumenten, um später Ergänzungen leichter vorzunehmen. Aber auch, um im Szenenablauf noch offen zu bleiben. Der Eine oder Andere mag auch Mindmaps, Flipcharts oder Pinwände dazu einsetzen. Versuchen Sie, Ihre eigenen Mittel und Wege zu finden, die Ihnen Arbeit erleichtern. Egal, welche Technik Sie verwenden: wichtig bleibt Ihr Überblick über einzelne Handlungsstränge.

Erstellen Sie eine Tabelle_by_Jürgen Oberguggenberger_pixelio.de
Erstellen Sie eine Tabelle_by_Jürgen Oberguggenberger_pixelio.de

 

Kleiner Tipp für Sie:

Versuchen Sie, grundsätzlich effizient vorzugehen. Denn die Uhrzeiger laufen unerbittlich. Setzen Sie sich daher am besten Zeitziele. Nehmen Sie sich zum Beispiel vor, in den nächsten 45 Minuten bis zu einem bestimmten Punkt zu kommen. Lassen Sie sich aber bitte trotzdem nicht hetzen. Bleiben Sie konzentriert. Denn die Einzeletappen bestimmen Sie selbst. Finden Sie Ihren eigenen Takt, den Sie stressfrei bewältigen. Und denken Sie bitte an erholsame Pausen, die Sie am besten fern des Schreibtisches verbringen.

Machen Sie regelmäßig Pausen / by_Petra Bork_pixelio.de
Machen Sie regelmäßig Pausen / by_Petra Bork_pixelio.de

Wo?

In welchem Umfeld spielt Ihre Handlung? In städtischer Umgebung, auf dem Land, im Ausland, in der Einsamkeit? Wo fühlen sich Ihre einzelnen Figuren ihrem Charakter nach wohl? Wohin hat sie ihr Schicksal verschlagen? Wo leben sie gerne? Welche verschiedenen Schauplätze erfordert Ihre Geschichte?

Wählen Sie zum Beispiel nur ein Zimmer oder eine Wohnung als Handlungsort, mag das durchaus sinnvoll sein. Die Leser sollten aber immer wissen, wo sie gerade zuhören und zuschauen. Ohne Beschreibungen – soweit als nötig – geht das nicht. Denn überall regieren andere Einflüsse: Düfte, Geräusche und Gefühle.

Eine Wanduhr tickt, ein Hahn kräht, süßer Makronenduft liegt auf der Zunge. Unzählige andere Eindrücke fließen in Ort und Szene ein. Hauchen Sie also nicht nur Ihren Figuren Leben ein, sondern auch den Schauplätzen. Gestalten Sie Ihre Szenen lebensnah, soweit es Ihnen sinnvoll erscheint. Denn Leser möchten sich nicht gern langweilen und lange Beschreibungen oder Stimmungsmalereien nachvollziehen. Wägen Sie also am besten ab, welche Details für sie von Belang sind. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

Wann?

Vor welchen zeitlichen Hintergrund stellen Sie Ihre Bühne auf? Im Hier und Jetzt? Wählen Sie einen historischen oder zukünftigen? Eine mittelalterliche Handlung zum Beispiel erfordert detailierte Recherchen. Und auch die Sprache muss zeitgemäß sein. Erfahrene Autoren spezialisieren sich daher gern auf bestimmte Epochen. So nähren sie ihren Stoff aus einem stetig wachsenden Recherchefundus. Wie journalistische Fachautoren erweitern sie damit beständig ihr Zeitwissen.

Welchen zeitlichen Hintergrund wählen Sie? by_Rike_pixelio.de
Welchen zeitlichen Hintergrund wählen Sie? by_Rike_pixelio.de

 

Wenn Sie Ihre Handlung lieber in die Zukunft beamen möchten, öffnen Sie wieder Ihren Fantasieschrank. Nachdem Sie sich intensiv mit dem Thema „Zukunft“ beschäftigt haben, purzeln Ihnen sicherlich gute Ideen in die Hände, die spannenden Stoff liefern. Fahren Sie Ihre Fühler weit aus und saugen Sie vielversprechende Informationen auf. Sammeln Sie „Nektar“, aus dem Sie kurzweiligen Lesestoff herstellen. Der Markt für Science-Fiction-Storys findet eine breite Fangemeinde.

Wie?

Ort und Zeit bestimmen eine Geschichte nur am Rande. Menschen aber tragen sie und geben ihr eine Richtung. Ihr Tun und Lassen treibt die Handlung voran. Dabei klemmen sie manchmal in eigenen Konflikten fest, vermeiden oder suchen Auseinandersetzungen mit anderen. Bewusst oder unbewusst. Daher müssen wir uns schon in der Planungsphase intensiv damit beschäftigen:

Wie verfolgen Figuren ihre Ziele? Sind sie zum Beispiel bereit, zu lügen? Welche Ziele verfolgen sie offen oder heimlich? Wie erzählen wir den Lesern glaubhaft, was in ihnen vorgeht? Immerhin geben wir jeder Person ein Gesicht, Sprache und Gestalt. Die wahren Gewürze darüberhinaus sind aber Gefühl und Persönlichkeit. Wir hauchen ihnen also auch eine Seele ein. Dieses Vorgehen vernetzt das „wer“ mit dem „wie“.

 

Figuren ausmalen / by_meinbier_pixelio.de
Figuren ausmalen / by_meinbier_pixelio.de

 

Sie erkennen, dass die Antworten auf die „Sechs W-Fragen“ sich eng miteinander verbinden. Ihr Netzwerk wird dichter und dichter, je mehr Sie versuchen, aus Figuren und Handlung herauszuholen. Es trägt Ihre Geschichte sicher bis zur letzten Szene.

Warum?

Die Frage nach dem „warum“ stochert in Motiven und Beweggründen. Sie ermöglicht uns im Netzwerk der Vorplanung Lücken zu schließen und neue Verknüpfungen fest zu zurren. Warum vertritt Ihre Hauptfigur zum Beispiel vehement einen bestimmten Standpunkt? Warum entwickelt sich eine Nebenfigur vom Gegner zum Freund? Wieso wandelt sich Hoffnung in Enttäuschung? Natürlich bleiben auch die Antworten auf diese Frage ohne die bereits behandelten sinnlos.

Sie sehen, alle genannten W-Fragen lassen sich untereinander kombinieren und verquicken. Damit knüpfen Sie ein dichtes Knotennetz, das Figuren, Gesamthandlung, einzelne Handlungsstränge und Schauplätze miteinander verbindet und sicher trägt. Auf diesem Netz folgen Leser gerne Ihrer spannenden Geschichte.

Das empfohlene Vorgehen verbessert Ihre Planung einer guten Geschichte. Es gestaltet sich zwar etwas aufwändig, macht aber sehr viel Spaß. Sie werden eine neue Welt erschaffen, in die Sie allmählich hineinwachsen. Dann stehen Sie mit Ihren Figuren auf Du und Du.

Dazu wünsche ich Ihnen erstmal gutes Gelingen.

 

Die folgenden zwei Beiträge mögen die „Sechs W-Fragen“ gut ergänzen:

korrig. Wie Geschichten laufen lernen

Lebendige Geschichten entwickeln

 

Wie Geschichten laufen lernen

Tatsächlich entwickelt sich eine Geschichte  ständig weiter. Zuerst in der eigenen Fantasie, dann auf dem Bildschirm oder dem Papier. Das Manuskript ist also nie wirklich fertig.

Grenzenlose Fantasie

Aber wo holen sich Autoren ihre Farben für eine neue Geschichte? Für welche Leinwand entscheiden sie sich? Wie finden sie ein Thema, das unterhält und im besten Fall Heerscharen von Lesern anzieht? Welche Hauptfigur wählen sie? Sind Nebenfiguren für die individuelle Geschichte überhaupt wichtig? Wo ergeben sich Spannungsmomente für Konflikte, die die Geschichte antreiben?

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Fragen über Fragen, die zu Beginn des Schreibens unmöglich alle beantwortet werden können.

Schreiben als kreative Tätigkeit

Schreiben ist gelebte Kreativität – gut vergleichbar mit der Tätigkeit eines Malers oder Bildhauers. Und Schreiben soll meines Erachtens zwanglos und offen sein. Schreiben soll einfach Spaß machen. Denn die Erfüllung, die Autoren dabei erleben, überträgt sich auf wundersame Weise auch auf ihre Leser.

Meine eigene Erfahrung zeigt: Zur Entwicklung einer neuen Geschichte genügt erstmal eine gute Portion Fantasie und Intuition. Jedes Nachdenken bremst dabei den kreativen Schaffensprozess aus. Mit diesem Werkzeug ausgerüstet lege ich dann ganz entspannt los, schreibe quasi ohne Punkt und Komma. Lass die Fantasie aus mir ins Schreibprogramm fließen.

Grenzenlose Freiheit

Abendhimmel als Symbol grenzenloser Freiheit © Paul Bock
Abendhimmel als Symbol grenzenloser Freiheit © Paul Bock

Ich beschreibe zum Beispiel eine Situation, die mir einfällt. Versuche eine Stimmung einzufangen oder einen Menschen zu beschreiben. Wer gerne zuhört oder sich unterhält, mag vielleicht mit einem fiktiven Dialog beginnen. Alles ist möglich. Grenzenlose Freiheit also – wo gibt es sie noch? Hauptsache nur, man setzt die Feder überhaupt an.

Praktisches Beispiel

Dazu möchte ich heute ein praktisches Entwicklungsbeispiel geben. Zugegeben, ich weiß nun selbst überhaupt nicht, welche Bilder mir meine Fantasie zeigt und was sich daraus als Beispiel ergibt. Um Ihnen mein Vorgehen allerdings verständlicher zu machen, füge ich zwischendurch zur Erläuterung kurze Passagen ein. Diese schreibe ich dann in Kursivschrift.

Folgen Sie mir also einfach in eine noch unbekannte Welt aus Intuition und Fantasie, deren Tor sich in diesem Augenblick für uns öffnet:

Park - copyright by_Siegfried Baier_pixelio.de
Park – copyright by_Siegfried Baier_pixelio.de

 

Szene aus dem Alltag

ein mann sitzt auf einer parkbank – alleine – es ist schönes wetter – die sonne scheint also – im park spielen kinder ball – rentner unterhalten sich unweit des mannes – der mann steckt sich eine zigarette an und blickt nachdenklich um sich – eine junge frau schiebt einen kinderwagen auf dem weg vor ihm vorbei – in der ferne ertönt ein martinshorn – der mann denkt an seine mutter, die sich jeden tag über alles mögliche sorgt – er beugt sich nach vorn, drückt den zigarettenstummel am geländer der parkbank, steht auf und schlendert davon …

Fantasie und Intuition zeigen uns ein unerwartet banales Bild, da geben Sie mir wohl Recht. Vielleicht eignet sich die obige Beschreibung nach Ihrer Einschätzung sogar sofort als Beginn der Geschichte. Vielleicht aber haben wir damit auch nur ein kleines Mosaikteil vor uns, das uns erste kleine Details des Mannes verrät. Immerhin stellen wir uns die beschriebene Situation lebendig vor. Sie bleibt in Bewegung, so wie der Ton des Martinshorns auf- und abschwellt. Es ist kein Foto, sondern ein Film. Meine Fantasie folgt nun dem Mann:

der Film läuft weiter

Entwickeln Sie neue Bilder, damit der Film weitergeht - copyright by_R. B._pixelio.de
Entwickeln Sie neue Bilder, damit der Film weitergeht – copyright by_R. B._pixelio.de

er verlässt den park, wartet an einer fußgängerampel auf grün, überquert die straße – begrüßt dort einen passanten, gibt ihm die hand und lacht – „hallo, Jens, schon auf dem Nachhauseweg?“ – „Ja,“ antwortet der mann, „feiere überstunden ab.“ – „deine mutter wieder gesund?“ – „ja, so ziemlich. muss mich beeilen – wegen dem essen.“ – „Ach, du wohnst wieder bei ihr? – jens möchte weiter, die situation ist ihm peinlich – er sagt nur „scheidung ist teuer, walter. machs gut.“ – walter schüttelt den kopf

In diesem Bild bekommt der Mann mehr Farbe und Konturen. Unsere Fantasie zieht den Vorhang weiter zurück und verrät uns noch mehr Einzelheiten über ihn. Ob daraus der Same einer neuen Geschichte aufgeht, liegt ganz an uns. 

Legen Sie Ihre Feder jetzt nicht zur Seite. Copyright by_birgitH_pixelio.d
Legen Sie Ihre Feder jetzt nicht zur Seite. Copyright by_birgitH_pixelio.de

die Fantasie treibt voran 

Wer nun seiner Fantasie Bremsen anlegt oder alles Weitere auf morgen verschiebt, wählt die falsche Weiche. Natürlich nur, wenn er/sie den intuitiven Entwurf weiterverfolgen möchte. Immerhin erfordert eine neue Geschichte Schöpferkraft. Aber wenn wir ehrlich sind: an dieser Stelle ermessen wir noch garnicht, ob sich aus den Fantasiebildern ein guter Stoff ergibt.

Wohin führt uns die Fantasie? Copyright by_Kurt Michel_pixelio.de
Wohin führt uns die Fantasie? Copyright by_Kurt Michel_pixelio.de

Wie geht´s weiter?

Wie Sie Bilder Ihrer Fantasie miteinander verbinden, Farbklekse setzen und Figuren Leben einhauchen, erfahren Sie im nächsten Beitrag.

 

Lebendige Geschichten entwickeln

Kennen Sie das auch? Eine Geschichte fesselt Sie so, dass Sie Raum und Zeit vergessen. Sie hören, sehen, fühlen, schmecken und riechen in einer fiktiven Welt und haben die Realität völlig ausgeblendet.

Sie denken jetzt an spannende Kriminalgeschichten? Das liegt nahe. Aber auch andere gute Erzählungen ohne Mord, Totschlag und Tätersuche finden viele treue Leser. Natürlich nur, wenn die Handlung Sie mitreisst, und Sie von Seite zu Seite ungeduldig wissen möchten, wie es weitergeht. Wie sich Knoten und Konflikte auflösen. Wer selbst schreibt, möchte die eigene Leserschaft am liebsten in eben diese Situation bringen. Um diesem hohen Ziel näherzukommen, versuchen wir heute, einer Geschichte Leben einzuhauchen und sie zu entwickeln.

Jugendlicher Leser © Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de
Jugendlicher Leser © Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de

Im Beitrag „Wie Geschichten laufen lernen“ haben wir bereits besprochen, wie wir Ideen für neue Geschichten finden. Am besten holen Sie sich dazu Eindrücke, Bilder, Situationen und Personen aus Ihrem eigenen Alltag und Umfeld hervor. Legen Sie aber bitte Ihrer Fantasie und Intuition keine Zügel an. Damit Ihre neue Story das Licht der Welt völlig zwanglos erblickt. Nutzen Sie die völlige Freiheit, die uns das Schreiben als kreative Tätigkeit bietet.

Maschen aufnehmen

Nehmen wir also den Faden wieder auf, und stricken wir daran weiter. Im oben genannten Beitrag „Wie Geschichten laufen lernen“ finden wir die Maschen, an denen wir jetzt ansetzen.

strickende Hände © isinor_pixelio-de
strickende Hände © isinor_pixelio-de

Sie erinnern sich vielleicht noch an das praktische Beispiel, das Ihnen gezeigt hat, wie wir kleine Puzzleteile einer neuen Geschichte auf den Tisch zaubern: Sehen Sie vor Ihrem geistigen Auge jetzt noch den Mann, der auf einer Parkbank eine Zigarette geraucht hat? In einem kurzen Dialog mit seinem Bekannten Walter haben wir über ihn Näheres erfahren: er heisst Jens und ist geschieden. Deshalb wohnt er wieder bei seiner Mutter. Das ist ihm unangenehm. Wir wissen außerdem, dass sich Jens Mutter ständig über alles Mögliche sorgt.

Puzzleteile © harry256_pixelio.de
Puzzleteile © harry256_pixelio.de

Erste Farben auf der Leinwand

Ja, nun liegen uns ein paar dünne, aber immerhin brauchbare Details vor, um schon mal vorsichtig Pinsel in Farben zu tauchen. Allerdings bleiben noch Fragen offen: Welche Farbtöne harmonieren miteinander, welche wirken schrill? Wie arrangieren wir interessante Farbverläufe, die den kritischen Betrachter von guter Qualität überzeugen.

Aquarellmalerei © Helene Souza_pixelio.de
Aquarellmalerei © Helene Souza_pixelio.de

Die Antworten auf die genannten Fragen erhalten wir, wenn wir uns nun mit den handelnden Personen näher beschäftigen. Denn Menschen schillern in ihrer Einzigartigkeit – um im Bild zu bleiben –  wie einmalig komponierte Farben. Im besten Fall spiegelt ihr Umfeld das entsprechend wider: ihre gesellschaftlichen Stellungen, ihre Berufe und Hobbys, ihre Vorlieben, Schwächen und Probleme. Kein Mensch ist wie ein anderer und zeichnet sich gegenüber seinen Mitmenschen durch eigenes Verhalten, Mimik und Sprechweise etc. aus. Versuchen wir also, zunächst der Hauptperson Leben einzuhauchen.

Wer eignet sich als Hauptperson?

Wer füllt wohl den Charakter der Hauptperson unserer Geschichte am besten aus? Meines Erachtens ist Jens durchaus eine gute Wahl. Aber bisher ist er noch farb- und formlos. Erweitern wir also die vorliegenden Informationen über ihn durch weitere glaubwürdige Details. Machen wir aus ihm eine lebendige Figur aus Fleisch und Blut. Eine konfliktfähige Figur, die damit auch eine gute Geschichte trägt.

Karikatur_Mann_r_meinbier_pixelio.de
Karikatur_Mann_r_meinbier_pixelio.de

Überlegen wir uns also, wie er aussieht, wie er spricht, welche Eigenarten er zeigt, wie sich diese und sein Charakter ausdrücken, usw. Versuchen wir, unsere Hauptperson als „realen Menschen“ zu erschaffen. Auch jetzt spielen wir unsere unendliche Fantasie aus. Immerhin entscheiden wir erst später beim Schreiben, welche seiner Qualitäten, Dellen und Macken wir betonen oder vielleicht nur skizzieren. Dabei sitzen wir zwar im Regiestuhl, müssen aber regelmäßig auch durch die Brille der Leser schauen und uns fragen: wie erleben die Leser die Geschichte?

Um Jens‘ Farbspektrum – also seine Eigenschaften, Charakterzüge usw. – genau zu bestimmen, stellen wir uns die bekannten sechs W-Fragen. Oder wir befragen ihn selbst, falls Jens vor unserem geistigen Auge bereits Farbe gewonnen hat. So oder so, diese Recherche ist ein wichtiger Schritt im weiteren Vorgehen. Bei Nebenfiguren, die nur am Rande des Geschehens erscheinen, verfahren wir in gleicher Weise. Damit gelingt es uns, alle Figuren nach und nach immer mehr zu verdichten. Nämlich möglichst lebensecht und konsequent. Mögliche Konflikte zwischen den Figuren erkennen wir dadurch schon frühzeitig. Was wir später daraus machen, liegt natürlich ganz an uns.

Kesselheizer_auf_Schiff © Peter von Bechen_pixelio.de
Kesselheizer_auf_Schiff © Peter von Bechen_pixelio.de

Wenn Sie weiter am Ball bleiben möchten, werden wir im nächsten Beitrag unseren Fantasiekessel wieder gemeinsam unter Dampf setzen. Am besten wird uns Jens dann selbst die sechs W-Fragen beantworten.

frei und kreativ im Wort

Wo Worte in völliger Freiheit ihre Schwingen erheben,

sich wie einzigartige Engel in die Lüfte erheben,

dort federleicht davonschweben,

sich auf unsichtbaren Inseln niederlassen,

bleiben kreativem Schreiben himmelhohe Räume.

Grenzenlos in endlosem Atmen,

Beginnen und Vergehen

© Paul Bock

© Paul Bock

© Paul Bock